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Zeit, über Geld zu reden.

Billiger wird’s nicht

Spätestens nach Abschluss der Ausbildung beginnt die finanzielle Eigenständigkeit – ein Haushaltsbudget muss her. Doch bevor man sich übereifrig ans Werk macht, sollten diese acht grundlegenden Aspekte bedacht werden.

Keine Frage, es gibt Spannenderes, als sich mit dem eigenen Budget zu befassen. Kino, Wellness, Yoga und tausend andere Dinge. Nur führt leider kein Weg an der Finanzplanung vorbei, wenn man sich nicht ständig mit Geldfragen quälen will. Und irgendwann vielleicht sogar nicht mehr weiss, wie man die spannenderen Aktivitäten finanzieren soll.

Es muss einfach sein – und es lohnt sich! Wer die Weichen zu Beginn der finanziellen Selbständigkeit richtig stellt, wird davon ein Leben lang profitieren. Leider gilt aber auch das Gegenteil. Wer einmal in finanzielle Schieflage gerät, bleibt es oft lange Zeit.

1. Den Fokus richtig setzen

Budgetberater kommen meist mit dem Credo, beidseitig zu optimieren. Das heisst, die Einnahmen zu steigern und die Ausgaben zu reduzieren. Guter Tipp! Nur sind die Möglichkeiten auf der Einnahmeseite in jungen Jahren oft begrenzt, der Lohn die einzige Einkommensquelle. Der Fokus sollte zu Beginn daher auf die Ausgaben gerichtet werden, der Spielraum ist hier schlicht grösser.

2. Realistische Ausgangslage schaffen

Ein Budget zu erstellen, ohne das bisherige Ausgabeverhalten Schwarz auf Weiss zu kennen, ist ein Blindflug. Bevor man loslegt, muss man wissen, womit – respektive mit wem – man es zu tun hat. Nur mit realistischen Annahmen lässt sich ein realistisches Budget erstellen.

Ob das Budget morgen oder in zwei Monaten steht, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass es der Realität stand-hält.

3. Mit den Steuern à jour sein

Es gibt drei Zeitpunkte, die Steuern zu begleichen: im laufenden Jahr in Monatsraten, nach Erhalt der definitiven Rechnung oder – im Falle einer Fristerstreckung – mit über einem Jahr Verspätung. Der Königsweg ist zweifellos die erste Variante, denn Steuerschulden sind nichts anderes als ein versteckter Kredit, der – inklusive Zinsen – irgendwann beglichen werden muss. In welcher Kategorie man ist, entscheidet sich mit dem ersten Budget.

Bei den Steuern auf der Höhe zu sein, gibt nicht nur ein gutes Gefühl. In bestimmten Fällen ist es zwingend. Wer auf eine längere Weltreise gehen oder auswandern will, muss sich beim Einwohneramt abmelden. Das geht nur, wenn sämtliche Steuerrechnungen beglichen sind.

4. Vorsorge rechtzeitig beginnen

Die private Vorsorge gilt nicht umsonst als einer der wichtigsten Aspekte der Finanzplanung. Hier soll es nicht um die Details gehen, sondern um den optimalen Zeitpunkt, um zu beginnen. Und der ist jetzt! Gerade mit tiefem Einkommen denken viele, dass es sich gar nicht lohne. Falsch. Selbst wenn anfangs nur 50 Franken monatlich einbezahlt werden, hat man schon bald den Grundstein für die Säule 3a gelegt.

Und falls das Einkommen mal wieder sinken sollte – kein Problem. Bei flexiblen Vorsorgemodellen können die Einzahlungen jederzeit erhöht, verringert oder ausgesetzt werden.

5. Sich gezielt belohnen

Wie gesagt, sich mit Budgetfragen zu befassen, ist oft nur mässig lustig. Umso wichtiger ist, dass der Spass nicht komplett vergessen geht. Nebst Budgettöpfen wie «Steuern», «eiserne Reserve» und «Vorsorge» sind auch «kleine Geschenke an mich selber», «Shopping in Mailand» oder «Millenium Fighter von Lego» erlaubt. Mit «Zak», der neuen Smartphone-App der Bank Cler, können die verschiedenen Budgetposten nach eigenem Gutdünken benannt und mit einem Icon versehen werden. Der Phantasie sind – im Gegensatz zum finanziellen Spielraum – keine Grenzen gesetzt.

6. Unvorhergesehenes einberechnen

Auch das beste Budget ist nur eine Modellrechnung. In der Realität gibt es immer wieder Ausgaben, die schlicht nicht vorhersehbar sind. Das ist an sich schon eine bittere Pille. Wenn sie dann auch noch zu finanziellen Schwierigkeiten führen, doppelt bitter.

Für diese Fälle gilt es, sich ein Sicherheitspolster aufzubauen, das mit dem Budget wächst. Eine eiserne Reserve, über die notfalls verfügt werden kann.

7. Kopf nicht in den Sand stecken

Selbst mit einem solide geplanten Budget inklusive Reserven kann es passieren, dass die Rechnung nicht aufgeht. In diesem Fall gilt es, sich der veränderten Ausgangslage sofort zu stellen. Finanzielle Engpässe lösen sich nie von selber, im Gegenteil. Je länger man sie verdrängt, desto gravierender werden sie. Viele Gläubiger zeigen sich entgegenkommend, wenn man proaktiv handelt und nicht erst bei der Betreibung Kontakt aufnimmt.

Im Optimalfall hat man sein Budget aber auch mit tiefen Einnahmen im Griff. Und nach ein paar Jahren erhöhen sich die Einkünfte, worauf sich der Spielraum vergrössert. Das ist der Zeitpunkt, an dem über die langfristige finanzielle Zukunft entschieden wird.

8. Für später: Ausgaben nicht stets den Einnahmen anpassen

Nach der Finanzkrise 2008 las man Geschichten von Wall-Street-Bankern mit Millionengehältern, die zwei Monate nach ihrer Kündigung pleite waren. Grund war der Kardinalfehler der Budgetplanung. Sie hatten die Ausgaben automatisch den steigenden Einkünften angepasst.

Falls sich die Einkünfte erhöhen sollten, sollte man sich gut überlegen, wie man reagiert. Nur wer die Aus-gaben nicht immer automatisch den Einnahmen anpasst, wird irgendwann in die komfortable Situation kommen, auch mal ein paar Monate ohne Einkommen auszukommen. Mehr Verhandlungsmacht im Job, auf Weltreise gehen, Teilzeitarbeit, einfach mal nichts tun – das ist finanzielle Freiheit.

Diese Freiheit zu erreichen, ist nicht einfach. Aber mit einem Budget gibt man sich immerhin die Chance dazu. Ohne Budget begibt man sich auf einen lebenslangen finanziellen Blindflug und landet irgendwo – aber kaum da, wo man will.