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Zeit, über Geld zu reden.

Das gute Gefühl

Dass junge Menschen alles andere im Kopf haben als die Finanzierung ihrer Rente, ist verständlich. Doch jeder Tag, um den du das Thema aufschiebst, kostet dich Geld. Wenn du frühzeitig mit der Säule 3a anfängst, profitierst du davon übrigens nicht erst in der Zukunft, sondern sofort: Du sparst jetzt schon Steuern – und das schlechte Gewissen ist endlich weg.

Procrastination – so nennt man neu und hip das ständige Aufschieben von Aufga-ben, die man längst hätte erledigen wollen. Wenn wir ehrlich sind, kennen wir das doch alle: Das Geschirr wird nicht direkt nach dem Essen abgewaschen, sondern am Wochenende. Die Grossmutter erhält den Anruf nicht heute, sondern in vier Tagen. Die Semesterarbeit wird nicht zwei Wochen vor der Abgabe geschrieben, sondern in der Nacht davor.

Diese Aufschieberitis ist mühsam, aber selten dramatisch. Das Geschirr läuft nicht weg, die Grossmutter freut sich auch in vier Tagen über den Anruf, die Semesterar-beit wird zwar kein Meisterstück, aber sie wird angenommen. Das meiste, das wir tagtäglich aufschieben, kann nachgeholt werden. Und zwar ohne dass es gravierende Konsequenzen hätte. Bei der privaten Vorsorge gilt das nicht. Hier lässt sich nichts nachholen – oder nur zu sehr hohen Kosten.

Dass gerade Jüngere das Thema oft auf die lange Bank schieben, ist einem Denk-fehler geschuldet: Sie meinen, private Vorsorge lohne sich erst, wenn man viel Geld verdiene. Das ist komplett falsch. Zu Beginn ist es mehr oder weniger egal, wie viel man einbezahlt. Auch wer nur 50 Franken monatlich aufbringen kann, ist auf gutem Weg. Und vor allem: Das schlechte Gewissen, die eigene finanzielle Zukunft zu gefährden, ist endlich Vergangenheit.

Jedes Jahr

Dass private Vorsorge unumgänglich ist, wenn der Lebensstandard nach der Pensi-onierung gehalten werden soll, ist mittlerweile unbestritten. Dasselbe gilt für die Vorteile einer frühen Vorsorge. Der offensichtlichste: Das Kapital hat mehrere Jahrzehnte Zeit, sich zu vermehren. Dieser lange Anlagehorizont vermindert zudem das Anlagerisiko. Das ist umso wichtiger, wenn nicht auf Kontosparen gesetzt wird, sondern auf Wertschriftensparen. Denn das bietet zwar eine grössere Chance auf eine hohe Rendite, man ist jedoch vor Kursrückschlägen nicht gefeit. Je länger die Anlage läuft, desto eher können diese Rückschläge von der Zeit ausgeglichen werden.

Auch aus steuerlicher Sicht sollte die Säule 3a möglichst früh eingerichtet werden. Sämtliche Einzahlungen, die 6828 Franken nicht überschreiten, können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Das ist unter anderem gemeint mit den hohen Kosten für das Prokrastinieren: Die «zu viel» bezahlten Steuern sind unwiederbringlich weg. Und das ist doch schade!

Das Leben

Ein weiterer Trugschluss des Aufschiebens: Es ist längst nicht garantiert, dass man mit 35 mehr verfügbares Einkommen hat als mit 25 – auch wenn man mehr verdient. Familiengründung, Weiterbildung, Unternehmensgründung, Hauskauf: Es gibt viele mögliche Gründe, dass man selbst mit höherem Einkommen nicht mehr Geld zur Verfügung hat. In einem solchen Moment mit der Vorsorge beginnen zu wollen, ist schwierig bis unmöglich. Was aber jederzeit möglich ist: die Einzahlungen den Lebensumständen anzupassen.

Das gilt auch für die Anlagestrategie. Jüngere ohne finanzielle Verpflichtungen setzen anfangs vielleicht auf die Strategie «Wachstum», die grösstenteils auf Aktien setzt. Wer etwas weniger Risiko eingehen will, setzt auf «Ausgewogen». Je näher die Rente rückt, desto stärker sollte das Risiko gesenkt werden – hier bietet sich die Strategie «Einkommen» an, die vor allem auf Obligationen setzt.

Die Strategie kann genau wie die Höhe der Einzahlungen jederzeit geändert werden. Wichtig ist für den Moment nur eines: endlich mit der Vorsorge zu beginnen.

Machen wir es so: Du kümmerst  dich noch heute um  deine Vorsorge. Und gleich danach rufst du deine Grossmutter an. Der Abwasch hingegen, der hat  tatsächlich noch Zeit.