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Ein Kind grosszuziehen, kostet in der Schweiz durchschnittlich CHF 370’000.

So setzt sich der Betrag zusammen.

Möchten Sie die Finanzen Ihrer Familie auf eine solide Grundlage stellen? Gern helfen wir Ihnen dabei.

Vorneweg: Selbst wenn man die Kosten tatsächlich auf den Franken bestimmen könnte, hat kein Kind jemals genau CHF 370’000 gekostet. Dieser Wert ist eine Annäherung, die unter zahlreichen unsicheren Annahmen getroffen wurde. Wir wollen Kindern natürlich sowieso kein Preisschild anheften. Wir finden aber, dass es durchaus auch hier angebracht ist, über Geld zu reden – denn Kinder wirken sich enorm auf die Finanzen der Eltern aus.


Windeln, Velo, Versicherung

Die Studie des Bundesamts für Statistik*, auf die sich diese CHF 370’000 beziehen, unterscheidet zwischen direkten und indirekten Kosten. Direkte Kosten bedeuten, man muss tatsächlich Geld in die Hand nehmen: Essen, Kleidung, Versicherung, Mietanteil, Betreuungskosten, Windeln, Velo, Handyabo etc. In den ersten zehn Lebensjahren betragen sie durchschnittlich CHF 600 monatlich, zwischen dem 11. und 21. Altersjahr CHF 873.

Direkte Kosten: Bis zum 21. Altersjahr – wenn die meisten Kinder ausziehen – kommen so durchschnittlich CHF 187’000 zusammen.

Zwischenbemerkung: Die CHF 600 scheinen angesichts der Kosten eines Krippenplatzes sehr tief. Das liegt daran, dass diese Ausgaben nur drei bis vier Jahre lang anfallen; ab dem Kindergarten fallen sie weg. Aber was sicher auch stimmt: Bei mehreren, voll bezahlten Betreuungstagen sind die durchschnittlichen Krippenkosten höher.

Wie hoch die direkten Kosten tatsächlich sind, hängt in erster Linie von den Lebenshaltungs- und Mietkosten, Sozialleistungen, Steuererleichterungen und Subventionen für Krankenkasse oder Kinderkrippe ab. Diese variieren zwischen Kantonen und Gemeinden stark – der Wohnort ist darum ein zentraler Faktor für die direkten Kinderkosten.

Worauf Mütter und Väter verzichten

Etwas komplexer ist die Betrachtung der indirekten Kosten, der sogenannten Opportunitätskosten. Das ist Einkommen, auf das Eltern verzichten, wenn sie Teilzeit arbeiten, um sich selbst um ihre Kinder zu kümmern. In den ersten zehn Jahren verdienen sie durchschnittlich CHF 1’300 pro Monat weniger. Zwischen dem 11. und dem 21. Altersjahr, wenn Kinder weniger Betreuung benötigen, beträgt der Ausfall noch CHF 194. 

Indirekte Kosten: Insgesamt verzichten Eltern somit auf ein zusätzliches Lohneinkommen von durchschnittlich CHF 182’000.

Bemerkenswert ist, wie die Opportunitätskosten zwischen Müttern und Vätern verteilt sind. Die Mütter übernehmen den Grossteil der Kinderbetreuung und verzichten in den zehn Jahren auf durchschnittlich CHF 1’320 pro Monat. Das Einkommen der Väter dagegen steigt um CHF 20 an. Wie kann das sein? Das geringere Einkommen, das manche Väter durch die Reduktion der Arbeitszeit erleiden (Papitag), wird in der Summe überkompensiert durch Kinderzulagen vom Arbeitgeber. Zwischen dem 11. und dem 21. Altersjahr verzichten Mütter auf CHF 328 monatlich, Väter verdienen CHF 134 mehr.

Mit dem 21. Altersjahr enden die Kinderkosten in dieser Betrachtung – in der Realität nicht.

Lebenslange Opportunitätskosten

Wer seinem Kind eine weiterführende Ausbildung finanzieren kann und will, greift nochmals ordentlich in die Tasche. Oft auch nach dem Abschluss, falls Auslandaufenthalte und/oder schlecht bezahlte Praktika anstehen. Doch immerhin sind diese Kosten exakt messbar, da es sich in der Regel um einen monatlich fixen und zeitlich begrenzten Betrag handelt.

Schwerer zu beziffern sind die Opportunitätskosten, die ebenfalls weiterhin anfallen. Zwar können und wollen die meisten Mütter nach ein paar Jahren wieder in einer Vollzeitstelle arbeiten, doch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind dann bereits oft eingeschränkt. Sie bekleiden seltener Führungspositionen, haben weniger Berufserfahrung und somit ein Leben lang tiefere Löhne. 

Mütter mit höherer Ausbildung verzichten auf viel Geld: Im Durchschnitt verdienen sie über das ganze Berufsleben fast eine halbe Million Franken weniger als kinderlose Frauen.
Pro Familia**

Die tieferen Löhne, die viele Mütter ein Berufsleben lang verdienen, haben Auswirkungen auf ihre Rente – sie ist im Durchschnitt fast ein Viertel tiefer als diejenigen der Männer.

Kinderkosten gerechter verteilen

Diese Unterschiede werden künftig kleiner werden, da der Beschäftigungsgrad der Frauen in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist – ihre Renten werden somit höher sein als die der heutigen Rentnerinnen.

Väter können ebenfalls dabei mithelfen, die Einkommensdifferenzen zu verkleinern. Und zwar, indem sie mehr Betreuungsaufgaben übernehmen, während Mütter in dieser Zeit einer Lohnarbeit nachgehen. Einen ähnlichen Effekt hat ein Ausbau der Krippenplätze, da er den Beschäftigungsgrad, und damit die Einkommen der Mütter, ebenfalls erhöht.

Zeit für das Wesentliche

Wie eingangs erwähnt: Letztlich können Modellrechnungen immer nur Durchschnittswerte liefern. Sie ermöglichen zwar einen interessanten Einblick in die Thematik, doch dem einzelnen Kind – Ihrem Kind – werden sie nicht gerecht.

Es liegt an den Eltern, das für sich und den Nachwuchs passende Lebens-, Arbeits- und Betreuungsmodell zu finden. Der finanzielle Aspekt ist dabei nur einer von vielen, aber halt einer, der sich auf alle anderen Bereiche negativ auswirken kann, wenn man ihn schleifen lässt.

Sinnvoller ist es, sich frühzeitig mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen und es in die richtigen Bahnen zu lenken.

Umso mehr Zeit hat man in den kommenden Jahren, sich auf die schönen Seiten des Elternseins zu konzentrieren.

* https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen.assetdetail.347234.html
** http://www.profamilia.ch/tl_files/Dokumente/Dokumente_News/MM_23.05.2019_Resume%20(d).pdf