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«Vereinbarkeit ist in jeder Lebensphase ein Thema»

Interview mit Thomas Casutt, Leiter Human Resources, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Freizeit

Thomas Casutt ist Leiter Human Resources und Vater. Beides miteinander zu vereinbaren, ist hin und wieder eine grössere Herausforderung. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist in jeder Lebensphase ein Thema und unterscheidet sich je nach Lebenssituation. Die Bank Cler möchte als Arbeitgeberin ihre Mitarbeitenden bei der Vereinbarkeit unterstützen.

Thomas, hast du eine konkrete Erfahrung oder ein Erlebnis, an dem du gemerkt hast, jetzt muss ich gerade ein bisschen zwischen Job und Familie/Freizeit jonglieren?

Meine Partnerin und ich haben eine 5-jährige Tochter und wir sind beide berufstätig. Mit dem Kindergarteneintritt entstanden fixe zeitliche Strukturen, denen wir uns anpassen müssen. Das führt dazu, dass wir uns die Tage durchplanen müssen. Wir teilen uns auf, wer unsere Tochter zur Kita und Kindergarten bringt bzw. abholt.
Die Pandemie hat, wie bei vielen Firmen, auch bei uns im Konzern die geplante Flexibilisierung des Arbeitsortes stark beschleunigt. Diese Beschleunigung und die damit verbundene Akzeptanz von Homeoffice kam für meine Familie dankbarerweise zum «richtigem» Zeitpunkt. So wurde die Herausforderung der Vereinbarkeit entschärft und es wurde für uns einfacher, den Bring-Hol-Zyklus mit der Arbeit in Einklang zu bringen.

Wie hat sich deine Einstellung zur Vereinbarkeit verändert, seitdem du selber Vater bist?

Vor ein paar Jahren habe ich noch gar nicht verstanden, wie schwierig es ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. So ist es für mich zum Beispiel an zwei Tagen in der Woche nicht möglich, um Punkt 8 Uhr und abends nach 17.30 Uhr im Büro sein. Es ist wichtig, dass ein Arbeitgeber auf diese Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Früher habe ich erwartet, dass alle Mitarbeitende maximal flexibel sind. Bei Teilzeitmitarbeitenden war ich manchmal erstaunt, wenn nicht kurzfristig ein Arbeitstag für ein wichtiges Meeting gewechselt werden konnte. Dass dies mit fixen Betreuungsstrukturen sehr schwierig sein kann, weiss ich erst, seitdem ich selber in dieser Situation bin. Solche Verschiebungen bedeuten sehr viel Planungs- und Koordinationsaufwand. So habe ich früher auch nicht realisiert, wie anspruchsvoll die Kinderbetreuung während den Schulferien sein kann. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice helfen da enorm.

Wie wird denn Vereinbarkeit definiert?

Simpel gesagt: die Möglichkeit, etwas mit etwas anderem in Einklang zu bringen. Zum Beispiel sich zugleich Beruf und Karriere und dem Leben in der Familie, der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Personen, Hobbies und der Freizeit im Allgemeinen zu widmen.

Hat sich die Bedeutung von Vereinbarkeit mit dem «Neuen Arbeiten» respektive dem flexiblen Arbeiten verändert?

Grundsätzlich nicht. Wenn jedoch die Rahmenbedingungen auch auf Seiten Arbeitgeber flexibel sind, ist es einfacher, Vereinbarkeit zu gestalten. Neues Arbeiten bedeutet u.a. auch, dass wir, wenn möglich, nach individuellen Lösungen suchen, um die Vereinbarkeit für Mitarbeitende zu erleichtern.

Die Pandemie zeigte eindrücklich: Es ist oft mehr möglich, als wir denken.

Insofern hoffe ich auf einen nachhaltigen Mindset-Change von Personen und Organisationen bei der flexiblen Gestaltung, wo und wann die Arbeitsleistung erbracht wird. Und damit auf mehr Vereinbarkeits-Freiraum für alle.

Gibt es Unterschiede zwischen den Generationen, was die Bedürfnisse der Vereinbarkeit betrifft?

Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger bevorzugen häufig eine flexiblere Gestaltung ihrer Arbeitszeiten, um Zeit für Hobbies oder andere private Aktivitäten zu haben. Für Beschäftigte mittleren Alters rückt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf häufig ins Zentrum. Neben den Aufgaben rund um die Kinderbetreuung nehmen sie in diesem Alter auch immer öfter Pflegeaufgaben wahr. In den letzten Berufsjahren stellt sich dann bei vielen der Wunsch nach einem gleitenden Übergang in den Ruhestand ein – sei es aus gesundheitlichen Gründen oder aber auch, um mehr Freizeit oder Zeit für Familie und Hobbies zu haben.

Vereinbarkeit ist also in jeder Lebensphase ein Thema, die persönlichen Umstände sind aber immer individuell und die Bedürfnisse verändern sich.

Wichtig scheint mir, dass wir keine voreiligen Schlüsse über die Bedürfnisse von Mitarbeitenden ziehen, nur weil sie einer gewissen Generation angehören oder sich in einer bestimmten Lebensphase befinden. Wir müssen den Mitarbeitenden genau zuhören und versuchen, im Dialog Lösungen zu finden.

Wie unterstützen wir als Bank Cler die Mitarbeitenden bei ihren Bemühungen, Beruf und Familie/Freizeit unter einen Hut zu bekommen?

Wir versuchen, so viel wie möglich, möglich zu machen.
Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, der Möglichkeit von Homeoffice in vielen Tätigkeiten oder der Option unbezahlten Urlaub zu beziehen, möchten wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Freizeit erleichtern. Wir wollen Freiräume schaffen und Flexibilität ermöglichen und damit gleichzeitig als Arbeitgeberin einen Beitrag leisten, die Diversität auf allen Ebenen zu erhöhen. Beispielsweise beraten wir Frauen bereits vor der Mutterschaft bezüglich ihrer Karriereplanung. Dabei sprechen wir auch über Optionen, wie die Führungskarriere ohne grosse Unterbrüche fortgesetzt werden kann. In diesem Kontext ist es wichtig, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen. Bei geringerem Familieneinkommen unterstützen wir auch bei den Kitakosten.

Welche Skills und Ressourcen helfen Mitarbeitenden, ihre persönliche Vereinbarkeit zu erleichtern?

Zuerst die Selbstwahrnehmung: Ich muss mich immer wieder fragen, was will ich und stimmt mein Lebensentwurf so für mich. Ich muss mir im Klaren sein, was ich wirklich vereinbaren möchte, um ein ausgeglichenes Leben zu führen. Was brauche ich, um entspannter und zufriedener durchs Leben zu gehen? Ein hohes Mass an Selbstorganisation ist ebenfalls von Vorteil. Und ein verlässliches soziales Umfeld ist auch eine wichtige Unterstützung. Oft lassen sich gemeinsam gute Lösungen finden. Als verlässliche Arbeitgeberin sind wir oft ein Teil der Lösung.