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Marktausblick

Das Gespenst einer Bankenkrise geht um - Finanzkrise wenig plausibel

CIO Kommentar, Montag, 13. März 2023

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Konkurs von zwei US-Banken: Warum die Wahrscheinlichkeit einer Finanzkrise gering ist

Silicon Valley Bank

Der Konkurs der Silicon Valley Bank hat in den letzten Tagen in den USA und in Europa zu erheblichen Kursverlusten, insbesondere bei Finanztiteln, geführt. So verlor der Bankenindex «Euro Stoxx 50 Banks», welcher 32 wichtige Banken der Eurozone umfasst, in wenigen Tagen über 10%.

Auch die UBS und Credit Suisse Aktien kamen unter ähnlich grossen Verkaufsdruck. Aktuelle erreicht die Credit Suisse Aktie gar ein neues Allzeittief bei 2.24 CHF.

Signature Bank

Am Wochenende wurde dann auch der Konkurs der Signature Bank aus New York gemeldet. Die Silicon Valley Bank hat eine Bilanzgrösse von etwa 210 Milliarden USD und die Bilanz der Signature Bank ist gut halb so gross.

Somit sind diese Banken für US-Verhältnisse keine Giganten und nur bedingt systemisch relevant, die Bilanzen von US-Grossbanken wie Citigroup oder J.P. Morgan sind etwa 20-mal grösser. Dennoch sollte man den Konkurs dieser Banken in ihrer Wirkung auf das globale Finanzsystem nicht unterschätzen.

Ein Rückblick

Beide Banken haben über die letzten Jahre ihre Bilanz etwa verzehnfacht. Beide sind im kommerziellen Kreditgeschäft und auch im Bereich Krypto-Währung-Konten stürmisch gewachsen. Die Silicon Valley Bank hat ihren Hauptsitz südlich von San Francisco: in Santa Clara im Herzen des US-Technologiesektors. Der rasante Anstieg der US-Zinsen, die innert Jahresfrist von 0.25% auf 4.75% angehoben wurden, scheinen sowohl das Risikomanagement beider Banken, als auch die Finanzaufsicht überfordert zu haben.

Tatsächlich ist der Effekt einer drastischen Veränderung der Zinskurve auf die Bankbonität eine Domäne, die selbst für Spezialisten anspruchsvoll ist und die von Bank Geschäftsleitungen oft nur in den groben Zügen verstanden wird. Die Absicherung solcher Risiken erfordert strategische Weitsicht und operative Exzellenz im Umgang mit Zinsderivaten und Kreditausfallversicherungen. Auch der US-Regulator macht gegenwärtig eine schlechte Figur, da er offenbar in seiner Aufsichtsrolle von den Entwicklungen völlig überrascht wurde.

Die US-Notenbank und das Schatzamt mussten über das Wochenende rasch Stabilisierungsmassnahmen beschliessen. Die Spareinlagen bei beiden Banken wurden vollumfänglich garantiert. Ausserdem können sich Banken bei Bedarf einfacher direkt bei der Notenbank finanzieren, sollte es zu anhaltenden Liquiditätsverschlechterungen zwischen den Banken kommen. Obige Massnahmen sind uns aus der Finanzkrise 2008/2009 noch vertraut.

Was nun mit den Aktionären passiert

Die Aktionäre beider Banken verlieren dabei ihre gesamte Anlage und auch die Investoren in unbesicherte Obligationen gehen leer aus. Inwiefern das Konkursverfahren am Ende zu einer verwertbaren Restsubstanz führt oder ob der US-Steuerzahler, die schon erfolgte Auszahlung der Kundeneinlagen, finanzieren muss, bleibt derzeit noch offen.

Die staatliche Garantie

Diese unbegrenzte staatliche Garantie einer Auszahlung der Kundeneinlagen ist problematisch, weil solche Garantien in der Regel eine Obergrenze vorsehen. Ausserdem verzerren undifferenzierte Garantien den Wettbewerb zwischen konservativ agierenden, stabilen Banken und weniger verantwortungsvoll handelnden Banken.

Eine zu grosszügige Garantie, schafft ein Moral Hazard (moralisches Risiko), weil Bankkunden in ihrer Erwartung bestärkt werden, dass jeder Bankenkonkurs für Kontoinhaber am Ende glimpflich ausgeht. Dabei sollte die Wahl der Bank eigentlich sorgfältig erwogen werden.

Das Versprechen des US-Schatzamtes und der Notenbank wäre in einem hypothetischen akuten Ernstfall kaum staatlich finanzierbar. Dieser Umstand schafft auch die Gefahr, dass die Garantie der Notenbank im Extremfall unglaubwürdig erscheinen könnte. Schliesslich gibt es in den USA etwa 19'000 Milliarden USD an Kundeneinlagen, was in die Grössenordnung des US-Bruttoinlandproduktes kommt (23'000 Milliarden USD). Auch riskiert die Notenbank mit dieser Massnahme eine übertriebene Besorgnis zum Ausdruck zu bringen.

Weitere Reaktionen

Nicht nur in den USA, auch im Vereinigten Königreich ist die Regierung aktiv geworden. Der britische Finanzminister Jeremy Hunt hat die Übernahme der britischen Tochtergesellschaft der Silicon Valley Bank durch die britische Grossbank HSBC bewilligt. Dabei wurde ein symbolischer Kaufpreis von 1 GBP vereinbart.

Für die geplanten Zinsschritte der US-Notenbank am 23. März und der Europäischen Zentralbank EZB am 16. März ergibt sich aus den aktuellen Turbulenzen ein gewisses Dilemma. Eine planmässig durchgeführte weitere Anhebung der Zinsen könnte den Stress im Finanzsystem weiter erhöhen. Die EZB wird bis zum Donnerstag wohl erwägen müssen, wie sie für den europäischen Finanzsektor die Wogen aus den US-Ereignissen glätten kann.

 

Finanzkrise wenig plausibel - Empfehlungen für unsere Anlegerinnen und Anleger

Die Bestände in Aktien oder Obligationen beider US-Banken sind in unseren Anlageprodukten, falls überhaupt vorhanden, äusserst gering und bilden somit für sich alleine kein nennenswertes Risiko. Die indirekten Auswirkungen auf Finanztitel und die Aktienmärkte im Allgemeinen waren in den letzten Tagen und Stunden zwar erheblich, aber keinesfalls aussergewöhnlich. Der SMI verlor in den letzten 2 Wochen etwa 5.5%, was eine Schwankungsbreite ist, die über die letzten Jahre häufig aufgetreten ist. Aussergewöhnlich ist aber die unerwartet starke Auswirkung, die der Ausfall der beiden US-Banken auf den europäischen Bankensektor hat.

Ist die aktuelle Verunsicherung berechtigt?

Es besteht natürlich die Gefahr, dass, bisher unbemerkt, noch weitere US-Banken in Schieflage sein könnten. Insgesamt ist das Finanzsystem im Vergleich zur Finanzkrise 2008/2009 weit besser mit Kapital unterlegt.
Dies gilt insbesondere für den europäischen Bankensektor. Allerdings ist die Transparenz über starke und schwache Banken für Anleger immer noch ungenügend und bei der Wahl der Bank zu wenig berücksichtigt.
Im Ernstfall mag dann das System als Ganzes zwar gut kapitalisiert sein. Das alleine hilft aber nicht, die Angst des US-Sparers vor einer unglücklichen Wahl seiner Bank zu dämpfen. Dieser Umstand ist wohl einer der Gründe für die aktuelle Verunsicherung.

Was wir erwarten

Wir erwarten eine Beruhigung der Situation, sobald die Ängste einer systemischen Ausweitung der Krise abklingen. Die Befürchtung einer eigentlichen Finanzkrise ist, aus unserer Sicht, aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage nicht plausibel. Wir empfehlen die Aktienquote zu halten und allenfalls, für mutigere Anleger, sogar Zukäufe bei Aktien zu erwägen.

Der deutliche Rückgang der Zinsen für lange Laufzeiten hat zu erheblichen Kursgewinnen bei Obligationen geführt (ca. +1.5% bis). Im Portfoliokontext kompensiert dies die Verluste bei Aktien erheblich. Die höheren Zinsen haben also wenigstens den Vorteil, dass die Diversifikation zwischen Obligationen und Aktien für das Portfolio wieder die traditionelle Stabilisierungsaufgabe erfüllen kann.

Auch für die Refinanzierung von Krediten oder Hypotheken eröffnet die aktuelle Situation ein interessantes Zeitfenster.

Heutige Marktentwicklung

Der SMI-Index verliert heute aktuell etwa 1.2%. Auch der deutsche DAX-Index verliert etwa 2.2%. Für die US-Aktienbörsen signalisieren die Futures eine wenig veränderte Handelseröffnung.
(Stand ca. 10:00 Uhr, 13. März 2022, Basel Zeit)

Performance unserer Anlagelösungen: Aktueller Stand in 2023

Aktuell verzeichnen unsere Anlagelösungen (Kurse per Freitag, 10.03.2023) folgende (Netto-) Renditen seit Beginn des Jahres 2023:

Anlagelösung Einkommen: +0.01%, (Performance 2022 -12.2%),
Anlagelösung Ausgewogen: +0.49%, (Performance 2022 -13.4%),
Anlagelösung Wachstum: +1.48%, (Performance 2022 -15.1%).

Die regelbasierte Strategie liegt 2023 bei -0.10% (Kurs per Freitag, 10.03.2023). Die Performance für 2022 beträgt -12.3%.
Die Aktienquote in der regelbasierten Strategie liegt aktuell bei rund 45%.

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