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Marktausblick

Russische Armee setzt wahllosen und tödlichen Beschuss ziviler Ziele fort

CIO Kommentar, Montag, 21. März 2022

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Schon fast ein Monat liegt nun der Überfall Russlands auf die Ukraine zurück. Keines der strategischen Kriegsziele Russlands wurde bisher erreicht und der Widerstand der ukrainischen Armee bleibt koordiniert und entschlossen.

Besonders in der im Süden der Ukraine gelegenen Stadt Mariupol spielt sich ein unerträgliches humanitäres Drama ab. Wie die Welt schon in Syrien beobachten musste, versucht die russische Armee Mariupol durch pausenlose Bombardierung und Zermürbung der Zivilbevölkerung zur Kapitulation zu zwingen.

In Live-Videoübertragungen im US-Kongress, im deutschen Bundestag und in der israelischen Knesset bat der ukrainische Präsident Selenskyj um mehr militärische Unterstützung und um eine Ausweitung der Sanktionen.

Insbesondere ist ein vollständiges Embargo von Öl und Gas aus Russland eine Sanktionsausweitung, welche in Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden bisher kein Gehör fand.
Mit längerer Kriegsdauer und steigendem Blutzoll in der Ukraine steigt auch der Druck auf den Westen noch wirksamer gegen Russland vorzugehen. Die Frage, wie die langfristige Strategie des Westens aussieht, ist berechtigt. Die Einbindung Chinas für die Suche einer Verhandlungslösung scheint zentral.

Noch wirkt China kaum bereit echten Druck auf Putin auszuüben. Dies versucht die US-Diplomatie zu ändern und droht China mit Sanktionen, falls sich das Land faktisch auf Russlands Seite schlagen sollte.

Derweil versucht Putin im Inland mit massiver Repression und schamloser Propaganda, die viele Historiker an die perfide Systematik der Nazi Propaganda erinnert, sein Volk auf Kurs zu halten.
Auch nach fast einem Monat zerstörerischem Krieg in der Ukraine und Millionen von Flüchtlingen glaubt wohl eine Mehrheit der Russen der verlogenen Berichterstattung in den russischen Staatssendern. Selbst ukrainische Flüchtlinge, welche häufig enge familiäre Verbindungen nach Russland haben, gelingt es oft nicht, ihren Verwandten in Russland glaubhaft zu machen, dass sie Opfer eines brutalen russischen Angriffskrieges geworden sind.

Es ist sehr beunruhigend, dass die offizielle Kommunikation Putins an sein Volk eine sehr radikale Wendung genommen hat. Er scheint alle Brücken hinter sich abzubrennen, die ihm noch erlauben könnten, ohne massiven Gesichtsverlust, auf ein moderateres Narrativ umzuschwenken. Dies schürt zurecht Befürchtungen, dass Putin bereit ist den Krieg für viele Monate oder gar Jahre fortzusetzen, um seine Ziele zu erreichen.

Für die Nato und den Westen ist die Vorstellung, dass die Ukraine am Ende kapituliert und unter eine äusserst harte russische Repression gerät, nicht hinnehmbar.

In einem solchen Szenario würden noch weit mehr Ukrainer ihr Land verlassen wollen oder müssen, als die weit über 3 Millionen Menschen, die schon ins Ausland geflüchtet sind.
Auch wenn der Krieg in absehbarer Zeit nur durch Verhandlungen beendet werden kann, ist das Risiko gross, dass Putin auf Zeit spielt und die humanitären Folgen bewusst als zusätzliches Druckmittel in Kauf nimmt.

Dies hat Putin in Syrien so gemacht und der Westen konnte oder wollte dort wenig dagegenhalten.

Die Vorgehensweise der russischen Armee hat Joe Biden dazu bewogen Putin als einen Kriegsverbrecher zu bezeichnen. Eine beispielslose harte Aussage gegen ein russisches Staatsoberhaupt, die nicht einmal während des kalten Krieges gemacht wurde.

Offizielle Bemühungen, dass Putin durch einen internationalen Gerichtshof für Kriegsverbrechen angeklagt wird, sind offenbar im Gange.

Eine Anklage Putins mag derzeit bloss symbolisch wirken. Dennoch ist sie wichtig. Denn es ist plausibel, dass die derzeitigen Sanktionen gegen Russland aufrechterhalten bleiben, solange Putin das Land regieren wird. Die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen werden für Russland schon in wenigen Monaten sehr gravierend sein.

US-Notenbank erhöht die Zinsen, sieht aber keine Rezessionsgefahr

Unter dem Eindruck des menschlichen Leids in der Ukraine kann eine Beschäftigung mit den wirtschaftlichen und finanziellen Folgen pietätslos oder gar zynisch wirken. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die Fähigkeit des Westens die wirtschaftlichen Folgen des Krieges möglichst stabil und unbeschadet zu überstehen, eine zentrale Bedeutung für die Eindämmung der russischen Aggression hat.

Die US-Notenbank hat letzte Woche, wie erwartet, die USD-Leitzinsen ein erstes Mal um 0.25% auf neu 0.50% erhöht. Es werden weitere Zinsschritte folgen und die US-Leitzinsen dürften bis Ende 2022 bei etwa 2% liegen. Bis Ende 2023 könnten die USD-Leitzinsen (Fed Funds Rate) sogar bei gut 2.5% liegen.

Diese Fed hat für mehr Klarheit zur Haltung gegenüber der stark gestiegenen Inflation erzeugt. Die US-Wachstumserwartungen für 2022 bleiben trotz der Auswirkungen des Krieges bei gut 2% für 2022. Für die Folgejahre 2023 und 2024 bleiben die Erwartungen derzeit ebenfalls bei etwa 2%. Die Inflation wird für 2022 mit 4.5% hartnäckig bleiben. Aufgrund von Basiseffekten und dem Zinsanstieg wird sie für 2023 und 2024 wieder nah bei 2% prognostiziert.

In der Eurozone dürfte die Zinsschraube wesentlich langsamer drehen. Ein erster Zinsschritt der EZB noch in diesem Jahr ist aber durchaus möglich. Die Schweizerische Nationalbank könnte somit in 2023 einen ersten Schritt hin zu höheren Zinsen vornehmen. Das bleibt aber aus heutiger Sicht weiterhin unsicher.

Heutige Marktentwicklung und Anlagestrategie

Die Finanzmärkte haben sich im Verlauf der letzten Woche etwas stabilisiert. Die wirtschaftlichen Folgen der bisher beschlossenen Sanktionen der EU und der USA können heute etwas präziser eingeordnet werden.

Der wirtschaftliche Ausblick bleibt den Umständen entsprechend weiterhin stabil. Die Energiepreise bleiben weiterhin erhöht, sind aber von den Spitzenwerten von Anfang März zurückgewichen.
Eine Ausweitung der EU-Sanktionen wird heute beraten. Es ist möglich, dass man die Folgen eines Embargos von russischem Öl und Gas nun doch hinnimmt, um den Druck auf Putin nochmals zu erhöhen.

Dies könnte sich negativ auf die Aktienmärkte auswirken. Eine Mehrheit der EU-Staaten scheint sich derzeit aber noch gegen ein vollständiges Embargo auszusprechen.In unserer Anlagestrategie hatten wir vor dem US-Notenbank Entscheid vom letzten Mittwoch eine spürbar reduzierte Aktienquote gehalten.

Ende der letzten Woche haben wir die Aktienquote mittels Zukäufen auf ein nunmehr etwa neutrales taktisches Niveau gebracht.

Die neue Woche beginnt an den Finanzmärkten wenig verändert. Die US-Aktienmärkte dürften ebenfalls kaum verändert eröffnen (Stand ca. 12:30 Uhr, 21.03.2022, Basel Zeit).

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