CIO Kommentar, Montag, 2. Februar 2026
Trotz aller Versuche seitens der US-Administration, die Verantwortlichen bei der US-Notenbank einzuschüchtern und eine deutlich expansivere Geldpolitik zu initiieren (vgl. die drohende Anklage gegen Notenbankchef Jerome Powell), blieben die Entscheidungsträger standhaft. Mit zehn zu zwei Stimmen votierten die Entscheidungsträger für eine Beibehaltung der aktuellen Leitzinsen und damit zumindest vorerst gegen eine weitere Lockerung der geldpolitischen Zügel.
Begründet wird diese – an den Finanzmärkten im Vorfeld auch so erwartete – Entscheidung mit der robusten Verfassung der US-amerikanischen Wirtschaft. Auf den Hinweis auf erhöhte Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt wurde in der jüngsten Erklärung der US-Fed entsprechend verzichtet. Die Einschätzung der Notenbank passt auch zu den nach oben angepassten Prognosen für die Entwicklung des BIP in den Vereinigten Staaten. Trotz der Einfuhrzölle und der erratischen Politik von US-Präsident Donald J. Trump hat sich die Konsensprognose zuletzt erhöht. Lag die Prognose (Median) Ende 2025 noch bei einem Anstieg des BIP von 2% für 2026, wurde sie in den vergangenen Wochen recht deutlich auf 2,4% nach oben angepasst.
Entsprechend dürften die Inflationsrisiken bei der Abwägung der geldpolitischen Entscheide wieder etwas stärker an Gewicht gewonnen haben. Diese sind weiterhin existent und aktuell ist es wenig wahrscheinlich, dass der anhaltende Inflationsruck deutlich nachlassen wird. Vielmehr gibt es Stimmen wie die von Amazon-Chef Andy Jassy, die mit einer schrittweisen Überwälzung der US-Importzölle auf die Konsumenten rechnen. Dazu passt eine Analyse des renommierten Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen und Konsumenten in den USA rund 96% der Einfuhrzölle tragen. Dies stützt die Aussage vieler Ökonominnen und Ökonomen, dass es sich bei den Einfuhrzöllen um eine reine Konsumsteuer handelt, die am Ende die Verbraucher zu tragen haben.
Die Standhaftigkeit der US-Notenbank hatte aber zunächst keine dämpfende Wirkung auf den deutlichen Anstieg des Goldpreises und auf die Schwäche des Dollars. Letzterer hat zwar nach der Notenbanksitzung zum Franken nicht weiter an Wert verloren, das Gold legte dagegen am vergangenen Donnerstag auf ein neues Hoch zu. Die Amtszeit von Jerome Powell als Chef der amerikanischen Notenbank neigt sich dem Ende zu. Entsprechend wurde an den Finanzmärkten mit Spannung auf die Regelung der Nachfolge durch den US-Präsidenten gewartet. Ob der nun von Donald Trump nominierte neue Notenbankchef Kevin Warsh dem Drängen des US-Präsidenten zu tieferen Leitzinsen nachgibt, bleibt abzuwarten. Auch Jerome Powell wurde schliesslich in Trumps erster Amtszeit von diesem ernannt. Die Nominierung von Kevin Warsh am vergangenen Freitag hatte zumindest auf die Edelmetallpreise eine deutliche Wirkung. Deren Preise gaben sehr stark nach. Der Goldpreis sank vom zwischenzeitlich erreichten Hoch um mehr als 10% und gibt auch heute weiter nach.
Aktuell sind wir in unseren Vermögensverwaltungsmandaten nach wie vor mit über 6% in Gold investiert, nachdem wir im Dezember bereits etwas Gewinne auf der Position realisiert hatten.
Der Goldpreis liegt mit gut 114 0000 Schweizer Franken je Kilogramm mehr als 5% unter dem Schlusspreis vom Freitag, wohingegen sich der US-Dollar bei 0.7730 USD je CHF stabilisiert. Der Schweizer SMI Index eröffnet mit einem leichten Plus von etwa 0.2%, während der Dax 0.5% einbüsst. Der US-Aktienmarkt verliert an den Terminbörsen etwa 1% (Stand ca. 9.00 Uhr, 02. Februar 2026, Basel Zeit).