CIO Kommentar, Montag, 5. Januar 2026
Das Jahr 2025 hat für Anlegerinnen und Anleger überdurchschnittliche Renditen erzeugt. Zum Beispiel konnte unser Vermögensverwaltungsmandat mit Risikoprofil «ausgewogen» für 2025 eine Nettorendite von gut 10% erreichen. Das liegt deutlich über der erwarteten jährlichen Nettorendite von rund 3% pro Jahr.
Trotz dieses erfreulichen Ergebnisses bleiben die geostrategischen Risiken weiterhin im Fokus. Die Intervention der USA in Venezuela belegt erneut, dass die internationale Weltordnung sich in einem raschen Wandel befindet. Nationale Einzelinteressen werden auch von den USA ohne Rücksicht auf völkerrechtliche Normen mit militärischen Mittel verfolgt. Der Begriff der «neuen Weltordnung» macht erneut die Runde. Wie sich diese neue Weltordnung konkret manifestieren wird und wie die Auswirkungen für Europa und die Schweiz sein werden, bleibt aber schwer einzuordnen. Nebst der Intervention der USA in Venezuela stehen auch die Ansprüche der US-Regierung auf Grönland unverändert im Raum.
Heute eröffnen die globalen Finanzmärkte das neue Jahr trotz aller Entwicklungen in guter Stimmung. Aus US-Finanzkreisen wird punktuell gar eine Goldgräber-Stimmung in Bezug auf mögliche US-Investitionen in Venezuela gemeldet. Der Preis für Rohöl fällt leicht und Gold ist mit rund 113 000 CHF pro kg nah am Höchststand bewertet. Europäische Rüstungskonzerne (Rheinmetall) legen deutlich zu, wohl ein Zeichen dafür, dass die Sicherheitspolitik Europas neu gedacht und gesichert werden muss.
Mit der zweiten Amtszeit von Donald J. Trump als Präsident der USA hat sich die Welt verändert. Dies gilt für geopolitische und geostrategische Fragen, internationale Handelsbeziehungen und die Wahrung sowie den Schutz demokratischer Institutionen. Für die Finanzmärkte stehen dabei zumindest kurzfristig die Auswirkungen auf die globale Konjunktur, die Geldpolitik und die Zinsen im Vordergrund. Mittel- und längerfristig ist auch der Ordnungsrahmen, in welchem sich Unternehmen und Staaten bewegen, von zentraler Bedeutung. Wichtig ist für uns, dass sich wirtschaftliche Akteure auch in schwierigen Phasen oftmals als sehr agil und anpassungsfähig erweisen. Deshalb bleiben wir trotz aller Unwägbarkeiten für die Wirtschaft und die Finanzmärkte auch für 2026 verhalten positiv gestimmt.
Wirtschaftlich gesehen hat insbesondere Trumps «Liberation Day» am 2. April 2025 eine Zäsur für die globale Konjunktur eingeläutet. An die Stelle des verlässlichen Ordnungsrahmens hat der «America First»-Politik das Recht des Stärkeren auf der weltpolitischen Bühne Einzug gehalten. Die Zollstreitigkeiten und die sich in der Folge verändernden Produktionsstrukturen sowie Handelsströme dürften in den kommenden Jahren das globale Wirtschaftswachstum belasten. Handelsbeziehungen und damit auch die globalen Lieferketten werden sich mittel- und längerfristig verändern, alte Geschäftsbeziehungen werden beendet, neue Opportunitäten tun sich auf.
Die Stimmung unter den US-Konsumenten hat sich seit dem «Liberation Day» merklich eingetrübt, die Erwartungskomponenten der entsprechenden Indikatoren sind unter Druck geraten. Dies ist von Bedeutung, weil die Konsumausgaben rund 70% der gesamten Wirtschaftsleistung der USA ausmachen. Lässt die Konsumnachfrage nach, verringert sich die Konjunkturdynamik und damit der Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) der grössten Volkswirtschaft der Welt. Vor dem Hintergrund dieser Friktionen und Unwägbarkeiten ist es wenig verwunderlich, dass die Konsensprognosen des globalen Wirtschaftswachstums für die kommenden Jahre unter dem Durchschnitt der letzten 25 Jahre liegen. Dies hängt aber nicht nur mit der neuen US-Handelspolitik zusammen, sondern auch mit strukturellen Faktoren wie der tiefen chinesischen Geburtenrate. Die sich abzeichnende rasche Überalterung im Reich der Mitte, der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, sorgt dafür, dass sich die Wachstumsraten der langjährigen Konjunkturlokomotive längerfristig Schritt für Schritt jenen der Industriestaaten annähern werden. Entsprechend reduziert sich mittel- und längerfristig das globale Wachstumspotenzial.
Für 2026 beträgt der erwartete Anstieg der weltweiten Wirtschaftsleistung weniger als 3% und verfehlt den Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre von 3,6% erneut. Ende Dezember 2025 signalisiert die Prognose eine Zunahme für 2026 von 2,9%, wobei die Bandbreite von 2,4% bis 3,4% reicht. Trotz der generell unterdurchschnittlichen Konjunkturdynamik dürften sich die Inflationsraten 2026 gemäss der in Bloomberg verfügbaren Prognosen unterschiedlich entwickeln. Für die Teuerungsrate der Eurozone signalisieren sie ein erneutes Unterschreiten der Marke von 2% und für die der Schweiz einen Wert von unter 1%. In den USA besteht dagegen die Gefahr, dass die Inflationsrate sich um die 3% bewegt, einzelne Prognosen rechnen auch mit einem Anstieg Richtung 3,5% und mehr.
Die tiefen Inflationsraten in Europa und der Schweiz sorgen dafür, dass die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten werden. Für die USA wird trotz der Inflationsrisiken ebenfalls mit einer expansiveren Gangart gerechnet, sie dürfte die Leitzinsen 2026 weiter reduzieren. Eine lockerere Geldpolitik in den USA hat in der Vergangenheit oftmals den Börsen als Stütze gedient. Wir rechnen deshalb für das kommende Jahr erneut mit positiven Aktienmarktrenditen. Langfristig dienen die historisch erzielbaren Renditen von durchschnittlich 7% weiterhin als sinnvolle Orientierungsgrösse.
Für Anlegerinnen und Anleger in Schweizer-Franken-Anleihen ist der Anlagenotstand 2.0 Realität. Die Renditen zehnjähriger Schweizer Staatsanleihen sanken im September erstmals wieder unter 0,2%. Zur Diversifikation eines Schweizer Obligationenportfolios ist unseres Erachtens deshalb eine Beimischung globaler Unternehmensanleihen mittels Fondsinvestments empfehlenswert.
Zudem gilt nicht erst seit heute, dass Gold in unsicheren Zeiten eine sinnvolle Diversifikation in einem Portfolio darstellt. Aktuell spielen viele Faktoren eine Rolle: die offenen geopolitischen und geostrategischen Fragen, die Befürchtungen um die demokratische Grundordnung in den USA, die Risiken von steigenden US-Inflationsraten oder die Diskussionen um die Rolle des US-Dollar als Weltleit- und Weltreservewährung – und nicht zuletzt der rasch steigende Schuldenberg der USA.
Aufgrund der vielen offenen Fragen und Ungewissheiten erachten wir es als sinnvoll, einem gemischten Portfolio Gold beizumischen. In unseren Vermögensverwaltungsmandaten haben wir seit Jahren eine strategische Quote von 5% festgelegt. Generell raten wir zu einer breiten Diversifikation. Aktien und Obligationen stellen dabei in aller Regel die beiden wichtigsten Bestandteile dar. Aktien waren, sind und bleiben trotz den mit dem Investment verbundenen Risiken mittel- und langfristig die stärksten Renditetreiber. Die Renditeerwartungen bei Obligationen sind speziell in Schweizer Franken gering, die Anlageklasse hat im Portfoliokontext aber aus Rendite-Risiko-Überlegungen weiterhin ihre Berechtigung.
Die asiatischen Börsen in Shanghai und Tokyo sind stark ins neue Jahr gestartet. Auch europäische Börsen starten heute mit deutlichem Plus. Der deutsche DAX-Index gewinnt rund 0,8%. Der Schweizer SMI-Index verliert aktuell 0,8%, dies aufgrund von Kursrückgängen bei Index-Schwergewicht Nestlé und bei SwissRe. Die US-Aktienmärkte sollten heute, gemäss den Vorzeichen an den Aktien-Terminbörsen, positiv eröffnen (Stand ca. 12:30 Uhr, 05. Januar 2026, Basel Zeit).