CIO Kommentar, Montag, 9. Februar 2026
Die ersten Wochen des neuen Jahres waren durch ausgeprägtes auf und ab an den Finanzmärkten geprägt. Der Schweizer Aktienindex SPI gehört dabei zu den beständigeren Werten und gewinnt seit Anfang Jahr rund 2%. Besser war die Rendite von japanischen Aktien mit 5,5%. Hingegen war die Rendite des US-Tech Index Nasdaq negativ bei -3,75% (alle Angaben sind Renditen in CHF per 6. Februar).
Spektakulärere Bewegungen waren bei Gold und Silber sowie bei Aktien aus dem Software-Sektor zu verzeichnen, insbesondere in den USA. Der Goldpreis stieg Ende Januar auf über 130’000 CHF/kg und fiel kurz danach abrupt bis auf 110’000 CHF/kg. Aktuell hat sich der Goldpreis bei rund 125’000 CHF/kg stabilisiert und liegt damit immer noch rund 12% über dem Preis bei Jahresbeginn. Für Silber waren die Preisbewegungen etwa drei Mal heftiger. Diese Schwankungsanfälligkeit des Silberpreises begründet unsere nur sehr zurückhaltende Beimischung dieses Edelmetalls in unseren Anlagestrategien.
Die neue KI-Lösung des Startups Anthropic mit unscheinbarem Namen «Claude Opus 4.6» richtet sich nicht wie ChatGPT auch an Privatpersonen, vielmehr ist sie als Unternehmenslösung konzipiert. Dies schlägt Wellen an den Aktienbörsen und wohl zum ersten Mal kann KI-Disruption live an den Aktienkursen einer ganzen Branche beobachtet werden. Die Aktienkurse von Unternehmen wie SAP, Thomson Reuters, Capgemini oder Reddit haben in wenigen Wochen bis zu 40% an Wert verloren. Der Software-Sektor Teilindex als Komponente des Gesamtindex S&P 500 hat seit Anfang Jahr über 20% verloren. Diese Unternehmen bieten Beratungsdienstleistungen und Software-Lösungen an. Hier setzt die Claude-KI an: Mit der Agenten-KI soll das erledigt werden, was bisher Büroangestellte tun: E-Mails bearbeiten und darin gewünschte Aufgaben durch Erstellung von Word Dokumenten, Tabellenkalkulationen und Präsentationen erledigen. Die Verheissung der Agenten-KI ist, dass ich als Office Mitarbeiter «Claude» mitteilen kann: «Lies und beantworte all meine ungelesenen E-Mails, erstelle eine Aufgabenliste und erledige die darin gewünschten Aufgaben. Falls nötig suche auch in meinen Laufwerken nach Informationen und erstelle auch die erforderlichen Zusatzdokumente.» Insbesondere wäre in der schönen neuen Welt der Agenten-KI die Erstellung dieses Investment Letters mit einer kurzen Anweisung (Prompt) an «Claude» im Nu erledigt. Es drohen aber auch neue Cyberrisiken. Das «Prompt-Hacking» also die externe Einschleusung schädlicher Anweisungen in die Agenten-KI eines Unternehmens wird gegenwärtig intensiv diskutiert. Aber auch «Claude» teilt bloss das mit, was basierend auf Zillionen von Sprachdaten, am wahrscheinlichsten gesagt werden würde. Erste Rechtsfälle gegen KI-gestützte Anwaltskanzleien bahnen sich in den USA an. Der Umstand, dass auch «Claude» zur Erledigung der ihm anvertrauten Aufgaben weiterhin die altbekannten Büro Software Anwendungen steuert, löst das Problem der Schwachstellen dieser Systeme nicht.
Am Beispiel des Software-Sektors ist das Disruptionspotenzial von KI erstmals real geworden. Bei einer Marktkapitalisierung des S&P 500 Sektor-Index «Software & Services» von etwa 6’600 Milliarden USD könnte die KI «Claude» einen Kursverlust von 20% ausgelöst haben und damit eine Wertvernichtung von rund 1’300 Milliarden USD. Inwiefern mehr Branchen Dank KI florieren werden, als dass sie wegen KI disruptiv betroffen werden, ist Gegenstand vieler Debatten. Wir empfehlen einen breit diversifizierten und indexorientierten Ansatz für die Titelselektion im US-Technologie-Sektor.
Die üblicherweise am ersten Freitag des Monats veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten werden erst am kommenden Mittwoch verspätet bekanntgegeben. Der Trend am US-Arbeitsmarkt hat sich nach einem Jahr Trump Administration merklich abgekühlt. «No hire – No fire» ist aktuell die Devise im US-Arbeitsmarkt. Die weitere Entwicklung der Stellendynamik ist für den künftigen Pfad der US-Geldpolitik wichtig. Gegenwärtig werden für 2026 nur zwei Zinssenkungen um je 0,25% erwartet. Dies könnte ändern, falls sich der US-Arbeitsmarkt weiter eintrüben würde. Die US-Notenbank Fed käme dann unter Druck mehr Zinssenkungen zu signalisieren und umzusetzen. Der unsicher gewordene Ausblick für die US-Wirtschaft betrifft inzwischen auch den privaten Konsum, wo nur die 20% einkommensstärksten Haushalte die Ausgaben erhöhen, währenddem die grosse Mehrheit eher sparen muss. In Anbetracht der Kongresswahlen im November, könnte die weitere wirtschaftliche Entwicklung sowohl die Finanzmärkte als auch den politischen Erfolg der Republikaner bestimmen.
Der Schweizer SMI-Index eröffnet mit einem leichten Plus von etwa 0,2%, während der rund Dax 0,4% gewinnt. Der US-Aktienmarkt eröffnet gemäss Entwicklung an den Terminbörsen wenig verändert. In Japan führt der ausserordentlich klare Sieg der LDP-Partei von Premier Ministerin Sanae Takaichi bei den Parlamentswahlen zu einer Kursrally beim japanischen Nikkei Aktienindex. Dieser steigt heute um fast 4% (Stand ca. 10.15 Uhr, 09. Februar 2026, Basel Zeit).