CIO Kommentar, Montag, 19. Januar 2026
An den internationalen Finanzmärkten hat das neue Jahr begonnen, wie das alte aufgehört hat. Nämlich mit weiter steigenden Notierungen bei Aktien. Im Fokus stand aber die Entwicklung bei den Edelmetallen, die mit neuen Höchstständen glänzen konnten. Während der starke Anstieg beim Silber auf das knappe physische Angebot, die fehlenden Möglichkeiten einer kurzfristigen Erhöhung der Förderung (bereits bekannte Vorkommen können frühestens in sieben bis zehn Jahren erschlossen werden) bei einem gleichzeitigen Anstieg der industriellen Nachfrage begründet wird, bleiben beim Gold die Treiber des vergangenen Jahres die bestimmenden Faktoren.
Diese sind die offenen geopolitischen und geostrategischen Fragen, die Befürchtungen um die demokratische Grundordnung in den USA, der anhaltende Inflationsdruck in den Vereinigten Staaten, die Diskussionen um die Rolle des US-Dollar als Weltleit- und Weltreservewährung und der steigende Schuldenberg der USA. Verstärkt wurden diese Faktoren zuletzt durch die wieder aufkeimenden Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Dies nachdem bekannt wurde, dass seitens des US-Justizministeriums eine Anklage gegen US-Notenbankchef Jerome Powell im Zusammenhang mit der Sanierung von Gebäuden der Zentralbank erwogen wird.
Wir sind bei Gold weiterhin investiert. Aktuell liegt die Quote in einem Ausgewogenen Mandat im Rahmen der Vermögensverwaltung bei mehr als 6%. Gold ist damit im Vergleich zur strategischen Quote übergewichtet.
Dem offensichtlichen Versuch der US-Regierung, Druck auf die Entscheidungen der US-Notenbank auszuüben, stehen die jüngst veröffentlichten Inflationsraten für den Monat Dezember entgegen. Die breite Inflationsrate verharrte bei 2,7%, die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel gab geringfügig auf 2,6% nach. Auch wenn der Rückgang bei der Kernrate erfreulich ist, hat sich an der grundlegenden Situation eines anhaltenden Inflationsdrucks in den USA infolge der Importzölle nichts verändert. Die verfügbaren Prognosen lassen weiterhin vermuten, dass sich die Wirtschaft der Vereinigten Staaten 2026 aller Wahrscheinlichkeit nach mit Teuerungsraten von durchschnittlich 3% und mehr konfrontiert sieht. Unterstützt wird diese Sicht der Dinge seitens der Entwicklung der Stundenlöhne. Diese stiegen im Dezember um 3,8% und damit stärker als erwartet.
Für die Geldpolitik heisst das, dass trotz der leichten Schwäche auf dem US-Arbeitsmarkt (die Zahl der neugeschaffenen Stellen wurde für Dezember mit nur 50 Tsd. angegeben) die Verantwortlichen der US-amerikanischen Notenbank (Fed) vorsichtig agieren und datenbasiert entscheiden werden. Während die Lage auf dem Arbeitsmarkt weitere Leitzinssenkungen erlaubt, sprechen die Aussichten für die Inflationsentwicklung, aber auch die Prognosen einer durchschnittlich guten Entwicklung des US-BIP (die Konsensprognose wird mit 2,1% angegeben) dagegen. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass am Markt seitens der US-Notenbank bis Ende 2026 aktuell nur zwei weitere Leitzinssenkungen eingepreist sind.
Die neuen amerikanischen Zolldrohungen, die aufgrund des Streits um Grönland gegen einige europäische Länder gerichtet sind, führen zum Wochenstart zu einem weiteren Anstieg des Goldpreises und zu Kurseinbussen an den Aktienmärkten. Am Schweizer Aktienmarkt verliert der SMI-Index 0.65 %, der deutsche DAX-Index gibt um mehr als 1% nach. Für den amerikanischen Aktienmarkt signalisieren die Terminbörsen einen Verlust 0,85% (Stand ca. 10:00 Uhr, 19. Januar 2026, Basel Zeit).