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Marktausblick

Gold erreicht mit über 127'000 CHF pro kg ein neues Allzeithoch

CIO Kommentar, Montag, 26. Januar 2026

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Der Auftritt Donald Trumps am WEF in Davos und die besorgten Reaktionen und Kommentare europäischer Regierungsvertreter haben erneut bestätigt, dass sowohl sicherheitspolitisch als auch wirtschaftspolitisch, eine neue strategische Ausrichtung Europas gesucht wird.

Ungewissheit zur weiteren Entwicklung des US-Anspruchs auf Grönland, die weiteren Massnahmen der USA in Venezuela und die Möglichkeit einer militärischen Intervention der US-Armee im Iran beeinflussen Stimmung und Kursentwicklung an den Börsen. Auch die Hoffnung auf eine Kompromissbereitschaft Russlands, die zu einem Waffenstillstand in der Ukraine führen könnte, bleibt Wunschdenken und ist auf wenig Greifbarem begründet.

Die ungezügelte Gewaltanwendung der ICE-Polizeikräfte in Minnesota sorgt für steigende innenpolitische Spannungen in den USA.
Dass Gold als sprichwörtlich krisenresistente Anlage in diesem Umfeld gesucht ist, mag also wenig überraschend sein. Unsere Gold Jahresprognose für 2026 von 125'000 CHF/kg wurde in den ersten Wochen von 2026 bereits erreicht. Wir halten weiterhin an unserer taktischen Übergewichtung von Gold fest und überprüfen derzeit die Annahmen für unsere Gold Prognose erneut.

US-Staatsschulden rücken ins Rampenlicht

Bemerkenswert war in der vergangenen Woche, dass sich die internationale Aufmerksamkeit der Finanzmärkte sich auf die hohe und rasant steigende US-Staatsverschuldung richtete. Zwar bleiben die Zinsen (Verfallsrendite) für 10-jährige US-Staatsanleihen weiterhin recht stabil im Band von 4% bis 4,5% aber die Frage der gesicherten Finanzierung der US-Staatsverschuldung wurde in der internationalen Presse etwas bissiger gestellt. Donald Trump nahm sogar erstmals drohend Stellung zu einer vorerst bloss hypothetisch in den Raum gestellten möglichen Weigerung der Gläubiger die Schulden einer immer feindseliger auftretenden US-Regierung reibungslos und willig zu finanzieren.

Die Staatsverschuldung der US-Bundesregierung in Form von handelbaren Zinspapieren ist bis Ende 2025 auf rund 100% der US-Wirtschaftsleistung (BIP) angestiegen. Dies sind ca. 30'300 Milliarden USD oder 30.3 Billionen USD. Das chronische jährliche Budgetdefizit von bald 2 Billionen USD lässt die US-Staatsverschuldung um nahezu 7% pro Jahr rasch weiter ansteigen.

Ausländische Gläubiger finanzieren gegenwärtig rund einen Drittel des Schuldenbergs, also ca. 10 Billionen USD. Den Hauptteil, zwei Drittel der Staatsschuld, finanziert das US-Schatzamt im Inland. In der EU und im Vereinigten Königreich werden rund ein Drittel der US-Auslandsfinanzierung bereitgestellt, also rund 3’300 Milliarden USD. China (inklusive Hong Kong) finanziert inzwischen weniger als 10% des staatlichen US-Finanzbedarfs. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von rund 5 Jahren, muss das US-Schatzamt durchschnittlich rund 2’000 Milliarden USD an Schuldpapieren pro Jahr im Ausland platzieren.
Die Relationen unter den US-Gläubigern haben sich in den vergangen 20 Jahren signifikant verschoben und China hat seine Exposition auch zugunsten von Gold reduziert.

Starke Worte, schwächere Daten

Trumps WEF-Rede zur angeblich überwältigenden Stärke der US-Wirtschaft hält einer nüchternen Prüfung harter Wirtschaftsdaten nur bedingt stand. Weder ist die Inflation vollständig unter Kontrolle, noch präsentiert sich der Arbeitsmarkt oder das Wirtschaftswachstum aussergewöhnlich robust. Im Gegenteil, trotz gegenwärtig stabiler Situation der US-Wirtschaft ist die weitere Entwicklung durch Unsicherheit belastet.

Hinzu kommt eine wachsende Abhängigkeit vom Boom der künstlichen Intelligenz. Sollte diese eine Blase sein und sollte sie – ob früher oder später – platzen, könnte dies eine Abwärtsspirale erheblichen Ausmasses auslösen. Je weiter die Staatsverschuldung steigt, desto anfälliger wird die US-Wirtschaft für eine Finanzierungs- oder gar eine USD-Krise. Die Achillesferse der USA ist damit unübersehbar.

Gold bleibt der Profiteur

Unter dem Strich sehen wir die nicht nachhaltige Entwicklung des US-Staatshaushalts als zentralen Treiber der Goldpreisrallye. Eine fiskalische Kehrtwende in den USA in der Form höherer Steuern oder einer Ausgabenkürzung ist in der verbleibenden Amtszeit Donald Trumps nicht zu erwarten. Dieser zentrale fundamentale Faktor – die Bonität der USA – spricht also für eine weitere Wertsteigerung von Gold gegenüber dem USD.

In unseren Anlagestrategien spielen Zinsanlagen in US-Staatsanleihen aufgrund des Währungsrisikos mit einem Anteil von 0% - 4% über alle Strategie Varianten eine untergeordnete Rolle. Die Anlageklasse der Unternehmensanleihen hat ein höheres Gewicht in US-Unternehmensobligationen. Nimmt man diese dazu, dann bleibt die Exposition in USD denominierten US-Kreditrisiken je nach gewählter Strategie mit rund 0% bis 14% begrenzt.

«Für dieses Jahr sind insgesamt zwei Zinssenkungen der Fed um je 0,25% in der USD-Zinskurve eingepreist.»
Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Fed Zinsentscheid: Geldpolitik trifft Politik

Der offene Versuch der US-Regierung, Druck auf die Entscheidungen der US-Notenbank auszuüben, macht die kommenden Zinsentscheide der US-Notenbank Fed auch zum politischen Schaulaufen. Am kommenden Mittwoch, 28. Januar, wird erwartet, dass die Fed den Leitzins unverändert bei 3,75% belässt. Dies ungeachtet des Hohns und Spotts den der US-Präsident über diesen Entscheid ergiessen dürfte. Derzeit ist an den Zinsmärkten nicht eingepreist, dass mit dem Antritt eines neuen Notenbank Chefs ab Sommer ein neuer Wind in der USD-Geldpolitik wehen soll. Für dieses Jahr sind insgesamt zwei Zinssenkungen der Fed um je 0,25% in der USD-Zinskurve eingepreist.

Heutige Marktentwicklung

Der USD erreicht gegenüber dem CHF mit 0.7740 Franken pro Dollar einen neuen historischen Tiefstwert. Der Schweizer SMI-Aktienindex verliert knapp 0,40 %, der deutsche DAX-Index ist wenig verändert. Für den amerikanischen Aktienmarkt signalisieren die Terminbörsen eine geringfügig tiefere Eröffnung (Stand ca. 09:30 Uhr, 26. Januar 2026, Basel Zeit).

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