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Städte der Zukunft – Rüebli von der Bahnhofstrasse

Wie sehen die Städte der Zukunft aus?
Dr. Rolf Wetzer, Finanzanalyst

In Zukunftsfilmen drängeln sich oft Unmengen kleiner Raumschiffe durch futuristische Städte. Aber wie sehen Städte im Jahr 2100 wirklich aus? Dann werden dort voraussichtlich fast zehn Milliarden Menschen wohnen. Schon heute ziehen wöchentlich eine Million Menschen in die Stadt und erzeugen auf nur 2 % der Erdoberfläche einen Grossteil der globalen Wirtschaftsleistung. Die Schere geht bis 2100 noch weiter auseinander. Während die bisherigen Industrienationen altern und schrumpfen, wächst die Bevölkerung in Asien und Afrika. Schon in den nächsten zehn Jahren wird es über 160 neue Millionenstädte geben. Die Welt im Jahr 2100 ist digital, CO₂-neutral, erlebt enorme technische und medizinische Errungenschaften und ist mit den Folgen des menschengemachten Klimawandels beschäftigt.

Beraten werden

Die urbane Infrastruktur bietet vieles, was Menschen auf dem Land verwehrt bleibt. Dies zieht viele an, bringt Metropolen aber an ihre Grenzen. Heutige Megastädte schaffen oft nicht genug Arbeit, Wohnraum ist teuer, frisches Wasser knapp und der Grundwasserspiegel sinkt. Rund eine Milliarde Menschen leben laut der UN in Elendsquartieren. Hinzu kommen massive Umweltprobleme durch ungebremsten Flächenfrass sowie mangelnde Entsorgung von Müll und Abwasser. Viele Agglomerationen ersticken am Smog, den Industrie und Verkehr anrichten. Europa kennt diese Probleme kaum. Dies erklärt sich ziemlich einfach: In der Hauptstadt von Bangladesch leben rund 37 000 Menschen pro Quadratkilometer, in Basel dagegen sind es nur 5300.

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Metropolen stehen vor grossen Herausforderungen

Städte konsumieren zwei Drittel der Energie und verursachen drei Viertel aller CO₂-Emissionen.

Künftig müssen sich Städte diesen drei Herausforderungen stellen:
1. Ressourcen wie Flächen, Wasser, Luft und Energie schützen,
2. Mobilität sinnvoll steuern
3. Folgen des Klimawandels meistern.

Eine zentrale Rolle wird dabei dem Einsatz von Technik zukommen. Millionen miteinander vernetzte Sensoren, intelligente Zähler und Kameras messen Energieverbrauch, Wasserdruck, Verkehr, Luftbelastung und vieles mehr. Elektronische Gehirne nutzen die Daten in Echtzeit und steuern gezielt Verkehr und benötigte Ressourcen. Erneuerbare Energien verbessern die Luftqualität. Wasser wird durch Nutzungsbeschränkungen, intelligente Leitungen und die biologische Aufbereitung von Brauchwasser schonend verwaltet. Um den Flächenwildwuchs zu bremsen, werden Flächen verdichtet oder neu überbaut. Verkehr ist künftig elektrisch, eingeschränkt, gebündelt oder durch moderne Verkehrsmittel, Seilbahnen oder Velos ersetzt.

Das Fernziel von Paris sind autofreie Haushalte.
Dr. Rolf Wetzer, Finanzanalyst
Bestehende Städte müssen sich entlang ihrer Struktur weiterentwickeln. Das Beispiel Paris zeigt, wohin die Reise für die Bereiche Verkehr und Klimaschutz für Grossstädte geht:

  • Paris möchte bis 2050 CO₂-neutral werden. Dafür erlaubt es ab 2030 nur noch E-Fahrzeuge. Autos dürfen bereits heute nur noch 30 km/h fahren. Fernziel sind gänzlich autofreie Haushalte. Der Individualverkehr bräuchte dann kleinere Strassen und weniger Parkplätze, was neue Flächen für Fussgänger, Velos und Grünanlagen schafft.
  • Der Klimawandel trifft Städte häufig in Form von enormer Hitze. Paris reagiert mit der Begrünung als natürlicher Klimaanlage. Neben Parks sind es vor allem begrünte Fassaden, die die gefühlte Temperatur in dicht verbauten Gebieten um bis zu 13 Grad senken.
  • Hinzu kommt innerstädtische Landwirtschaft. Auf den Dächern von Paris erntet man inzwischen rund eine Tonne Obst und Gemüse am Tag. Paris will weitere 100 Hektar an Stadtfläche bepflanzen. Dies kühlt die Stadt, verbessert die Luft und reduziert den Lärm.

 

Neu entstehende Städte liegen meist in Randregionen und werden von Grund auf am Reissbrett geplant. Hier können die Planer SimCity spielen. King Abdullah Economic City ist eine solche Stadt, die seit 2005 in der arabischen Wüste für zwei Millionen Einwohner auf einer Fläche entsteht, in die Basel sieben Mal hineinpasst. Geplant sind ein Wirtschaftszentrum mit Tiefseehafen als Frachtumschlagsplatz, ein Flughafen, ein modernes Schienennetz und gute Fernstrassen. Die sechs Zonen Hafen, Industrie, Ausbildung, Erholung, Wohnen sowie ein Geschäftsviertel wurden so verzahnt, dass sich Fahrzeiten und Energieverbrauch minimieren. Ein modernes Leitungssystem schont die Wasserressourcen. Zudem entsteht eine Meerwasserentsalzungsanlage. Ob diese Retortenstädte auch lebenswert sind, muss sich noch zeigen. Die Zukunft ist offen, aber vielleicht durchstreifen künftig ja wirklich Flugtaxis die Häuserschluchten.


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