CIO Kommentar, Montag, 1. Juni 2026
Trotz des andauernden Krieges im Nahen Osten zeigen sich die wirtschaftlichen Prognosen weitgehend stabil. Ökonominnen und Ökonomen gehen allem Anschein nach weiterhin davon aus, dass es sich um einen zeitlich begrenzten Konflikt handelt. Ausschlaggebend für diese Einschätzung ist sicherlich auch die innenpolitische Situation in den USA, speziell die im November dieses Jahres anstehenden Wahlen zum Repräsentantenhaus und Teilen des Senats. Die Anzeichen verdichten sich, dass US-Präsident Donald J. Trump möglichst rasch eine belastbare Verhandlungslösung anstrebt. Das Risiko, dass seine Republikaner in beiden Häusern des US-Kongresses ihre jeweilige Mehrheit verlieren könnten, nimmt mit der anhaltenden Dauer des Konflikts zu.
Positiv wirkt zudem auch die Tatsache, dass die Weltwirtschaft sehr solide in das Jahr 2026 gestartet war und man bis kurz vor dem Ausbruch des Irankriegs auf eine Anhebung der Konjunkturprognosen hoffen durfte. Bei den erfolgten Prognoseanpassungen blieb das Ausmaß der Revisionen bislang meist überschaubar. Für das globale Wirtschaftswachstum wird nach wie vor mit einem Anstieg des BIP von fast 3 % gerechnet. Dabei bestätigen Ausnahmen die Regel. So zeigt sich Oxford Economics etwas zurückhaltender. In ihrem Hauptszenario rechnen die Verantwortlichen nur mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 2.4 %.
Trotz der Bemühungen der Kriegsparteien um eine Verhandlungslösungen dürfte die Inflation vorerst ein wichtiger Belastungsfaktor bleiben. Durch die deutlich gestiegenen Energiekosten haben die Teuerungsraten in den vergangenen beiden Monaten einen Schub erfahren. Dabei darf der erfolgte Anstieg nicht mit der Lage während der Coronakrise und dem Ausbruch des Ukrainekriegs verwechselt werden. Die damaligen Preissteigerungen waren sehr viel dramatischer, in den USA und in Europa wurden damals die 10 %-Marken bei den Inflationsraten überschritten. Mit aktuell fast 4 % in den USA und 3 % in der Eurozone sind wir davon sehr weit entfernt.
Die geldpolitischen Massnahmen werden in den kommenden Monaten somit an den Finanzmärkten wieder verstärkt in den Fokus rücken. In der Eurozone werden zwei Zinserhöhungen der EZB erwartet und in den USA könnte 2027 eine erste Anhebung erfolgen. In der Schweiz wird am Markt im ersten Quartal 2027 ein Zinsschritt nach oben eingepreist. Leitzinssenkungen sind damit zumindest vorerst vom Tisch.
Das Investment Committee hat vergangene Woche entschieden, einen Teil der Aktiengewinne zu realisieren. Die Kurse sind seit Ende März teils deutlich gestiegen. In der Referenzstrategie Fokus Schweiz Ausgewogen führte dies zu einer Übergewichtung von fast 5 %. Besonders US-Aktien und globale Aktien zeigten die stärksten Kursavancen. Gleichzeitig bestehen weiterhin Risiken durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten. Dessen positiver Ausgang dürfte bereits zu einem grossen Teil in den Kursen eingepreist sein, was das Risiko von Rückschlägen erhöht.
Die freigewordenen Mittel werden in der erlösten Währung als Cash gehalten, um auf zukünftige Marktentwicklungen flexibel reagieren zu können. Nach Umsetzung des Entscheids liegt die Aktienquote bei der Ausgewogenen-Strategie etwas mehr als 2 % über der strategischen Quote.
Nachdem es im Mai an den Börsen weiter nach oben ging, startet der Schweizer Aktienmarkt (SMI) heute leicht im Minus (-0.5 %). Der deutsche Aktienindex (DAX) zeigt sich nur wenig verändert. Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen eine positive Handelseröffnung.