CIO Kommentar, Montag, 2. März 2026
Seit dem vergangenen Samstag befinden sich die USA und Israel erneut in einem Krieg mit dem Iran. Der Angriff durch die USA und Israel hatte sich aufgrund der massiven Stationierung US-amerikanischer Truppen im Nahen Osten in gewisser Weise angekündigt, auch wenn man die Stationierung ebenso als Drohgebärde im Zusammenhang mit den Verhandlungen zwischen den USA und Iran hätte interpretieren können. Öl- und der Goldpreis haben zumindest bereits vor dem Wochenende angezogen und liegen heute mit gut 9% (Ölpreis der Sorte Brent) und über 2% (Goldpreis) im Plus.
Infolge des Angriffs auf den Iran wurden wichtige Führungspersönlichkeiten des Regimes durch gezielte Angriffe getötet. Unter den Toten befindet sich auch das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei, der die islamische Republik über Jahrzehnte repräsentiert hat und sämtliche wichtigen Entscheidungen absegnen musste. Ob es durch die Tötung wichtiger Mitglieder des obersten Machtzirkels zu einem Regimewechsel im Iran kommen kann, ist völlig offen. Offen ist auch, wie lange der Krieg gehen und wie gross der Schaden in der Region sein wird.
Für die globale Wirtschaft ist dabei insbesondere die Schliessung der Strasse von Hormus bedeutsam, passieren doch in Friedenszeiten rund 20% der globalen Erdöltransporte dieses Nadelöhr im Persischen Golf. Dies ist auch der Grund, weshalb die Ölpreise über das Wochenende deutlich angezogen haben. Der Preis der Erdölsorte Brent liegt aktuell bei rund 80 US-Dollar je Barrel und damit in etwa auf dem Niveau der letzten Eskalation im Juni 2025.
Da der Iran infolge des Waffengangs im Juni 2025 aktuell militärisch deutlich geschwächt scheint, gibt es gute Gründe zur Annahme, dass die aktuelle kriegerische Auseinandersetzung ähnlich wie im Juni des vergangenen Jahres nicht zu lange dauern wird. Dann wären die negativen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft eher gering. Auf der anderen Seite steht das Regime in Teheran mit dem Rücken zu Wand, die Repräsentanten haben entsprechend viel zu verlieren, was für eine länger anhaltende Auseinandersetzung sprechen würde.
Nach aktuellem Stand hat Präsident Donald Trump den massiven Militärschlag gegen den Iran am 28. Februar 2026 ohne vorherige Zustimmung des US-Kongresses eingeleitet. Dies hat in den USA eine hitzige Debatte über die Verfassungsmässigkeit und die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen ausgelöst. Zusammenfassend lässt sich sagen: Während der Präsident operativ handeln kann, wird der Verzicht auf eine formelle Autorisierung durch den Kongress als Bruch der verfassungsmässigen Ordnung und der War Powers Resolution gewertet. Nach dem Urteil des US Obersten Gerichtes zu den erhobenen Zöllen, droht dem amtierenden US-Präsidenten erneut eine Prüfung der Verfassungsmässigkeit seiner Handlungen.
Trotz der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg halten wir aktuell an unserem Basisszenario fest, nämlich einer zwar unterdurchschnittlichen, aber positiven globalen Wirtschaftsentwicklung.
Wie immer in solchen Situationen gilt es für Anlegerinnen und Anleger Ruhe zu bewahren und an der gewählten Strategie festzuhalten. Kriegerische Auseinandersetzungen haben in aller Regel nur verhältnismässig kurzfristige Auswirkungen auf die globalen Börsen.
In solchen Situationen zeigt sich auch immer wieder die Wichtigkeit einer breiten Diversifikation der Anlagen. Entsprechend haben wir in unseren konventionelle Vermögensstrategien neben Aktien und Obligationen auch Rohstoffe, Schweizer Immobilien, Hedgefonds und Gold (strategisch je 5%) allokiert. Ziel ist dabei in erster Linie eine Risikodiversifikation, die in Krisensituationen mögliche Verluste bei Aktien abfedert. Dies wirkt auch in der aktuellen Situation, Gold und Ölpreise liegen heute Morgen deutlich im Plus.
In Anbetracht des Iran-Krieges sind die Verluste an den Aktienbörsen zum Wochenauftakt verhältnismässig moderat. Es scheint so, dass die Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die Schliessung der Strasse von Hormus zeitlich eher begrenzt sein wird. Trotzdem wird der Schweizer Aktienmarkt (SMI Index) rund 2% tiefer notiert. Seit Jahresbeginn ist er noch gut 3% im Plus. Auch der deutsche Aktienindex (DAX) wird gut 2% tiefer gehandelt. Der US-Aktienmarkt wird an den Terminbörsen mit rund 1,6% im Minus notiert.