CIO Kommentar, Montag, 5. Oktober 2026
Trotz aller Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Irankrieg und dem anhaltenden Inflationsdruck signalisiert die im Bloomberg verfügbare Konsensprognose (Median) eine durchschnittlich gute US-Wachstumsrate für das laufende wie auch für das kommende Jahr. Treffen die Prognosen ein, ist mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 2% zu rechnen. Gestützt werden diese Erwartungen vom anhaltenden Investitionsboom rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Aber auch von den Ausgaben der privaten Haushalte, die für einen Grossteil der jährlichen Wirtschaftsleistung verantwortlich sind. Ein wichtiger Faktor ist dabei die weiterhin grundsätzlich stabile Lage auf dem US-Arbeitsmarkt, auch wenn der Arbeitsmarktbericht für September 2026 die Erwartungen verfehlt hat. Die Zahl der neugeschaffenen Stellen wird mit 29 Tsd. angegeben (erwartet: 90 Tsd.), die Arbeitslosenquote legte leicht auf 4,2% zu (Vormonat: 4,1%).
Warnsignale senden dagegen nach wie vor die beiden viel beachteten Indikatoren zur Konsumentenstimmung. Der Index des Conference Boards notiert zwischenzeitlich auf dem tiefsten Stand seit Mai 2014, der Index der University of Michigan nur leicht über dem Tiefstand seit Auflegung der Indexreihe zu Beginn des Jahres 1978. Im Gegensatz dazu deutet die Stimmung unter den Unternehmen noch immer auf eine Expansion der Wirtschaft hin. Diese Einschätzung stützt auch der am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex (ISM) der Industrie. Mit 54,5 Punkten liegt er über der kritischen 50 Punkte Marke und damit im expansiven Bereich.
«Wir rechnen trotz des politischen Gegenwinds durch die Trump-Administration mit einer weiteren Zinserhöhung im laufenden Jahr.»Dr. Stefan Kunzmann, Leiter Economic Research
Für die US-Notenbank ergeben die zuletzt veröffentlichten Inflationsdaten – der von ihr viel beachtete PCE Price Index legte im August um 3,4% zu und damit ähnlich stark wie der breite Konsumentenpreisindex – sowie die aktuellen Konjunkturaussichten eigentlich ein eindeutiges Bild. Sie müsste ihre Leitzinsen in den kommenden Monaten weiter erhöhen, um das mit der Zinserhöhung im September gegebene Bekenntnis zur Preisstabilität zu unterstreichen. Das aktuelle Spannungsfeld zwischen US-Fed und US-Regierung bleibt damit im Fokus der Finanzmärkte. Wir rechnen trotz des politischen Gegenwinds durch die Trump-Administration mit einer weiteren Zinserhöhung im laufenden Jahr. Bis Sommer 2027 sind am Markt momentan drei Zinsschritte je 25 Basispunkten eingepreist.
Auch in der Eurozone bleibt die Entwicklung der Teuerungsraten eines der zentralen Themen. Die jüngst veröffentlichten Daten geben keine Entwarnung. Die Inflation hat vielmehr weiter angezogen und stieg stärker als erwartet. Für den Monat September signalisiert der vorläufige Wert einen Anstieg der Preise um 3,8%. Er liegt damit deutlich über dem Ziel der EZB von 2%. Die aktuelle Inflationsdynamik ist in erster Linie auf die hohen Energiepreise zurückzuführen. Das bestätigt auch der Blick auf die Kerninflationsrate, also die Teuerung ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise, die mit 2,5% angegeben wird.
Auch wenn es sich bei den Ursachen für die Preissteigerungen in erster Linie um angebotsseitige Störungen der Lieferketten (Stichwort: Krieg im Nahen Osten) handelt, ist die Notenbank gefordert. Je länger die durch die hohen Energiepreise getriebene Teuerung anhält, desto grösser wird das Risiko von Zweitrundeneffekten. Es überrascht deshalb nicht, dass an den Finanzmärkten auch seitens der EZB weitere Leitzinserhöhungen erwartet werden. Eingepreist werden bis Mitte kommenden Jahres momentan zwei Zinsanhebungen zu je 25 Basispunkten.
Für die Schweizerische Nationalbank scheint ein erster Zinsschritt dagegen nach wie vor etwas weiter entfernt. An den Märkten wird momentan frühestens für März 2027 mit einer Erhöhung der Leitzinsen gerechnet. Dabei spielt es zumindest aktuell noch keine Rolle, dass auch in der Schweiz die Teuerungsraten erneut angezogen haben. Mit einer Inflationsrate im Monat September von 1% bei den Konsumentenpreisen und einem Anstieg der Kerninflation von 0,5% befindet sich die SNB weiterhin in einer komfortablen Situation. Zudem hat der Druck seitens des zuletzt wieder etwas stärkeren Euros nachgelassen. Infolge der Diskussionen um die französischen Staatsfinanzen und die für die Grande Nation deutlich gestiegenen Finanzierungskosten hat der Euro zum Franken wieder etwas an Wert eingebüsst. Er wird heute Morgen unter 0.93 CHF je EUR gehandelt. Die Aussichten für die Konjunktur lassen dagegen einen Zinsschritt vertretbar erscheinen. So hat das KOF Institut seine BIP-Prognose für 2026 zuletzt deutlich angehoben. Es rechnet neu mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,9%.
Der Schweizer Aktienmarkt SMI und der deutsche Aktienindex DAX dürften gemäss der Terminkurse die neue Handelswoche nur wenig verändert eröffnen. Das Gleiche gilt für die US-Aktienmärkte (05. Oktober 2026, 08:50 Basel Zeit).