CIO Kommentar, Montag, 7. September 2026
Die Weltwirtschaft behauptet sich trotz geopolitischer Spannungen und höherer Energiepreise besser als vielfach erwartet. In den USA wurde für das zweite Quartal zwar nur ein unterdurchschnittlicher annualisierter Anstieg des BIP von 1,5% bestätigt. Der private Konsum legte mit 3,4% jedoch kräftig zu und bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur. Die Konsumentenstimmung ist weiterhin eingetrübt, ein deutlicher Wachstumseinbruch zeichnet sich bislang aber nicht ab.
Auch in der Eurozone weisen die Stimmungsindikatoren für Industrie und Dienstleistungen nach oben. Die Wirtschaftsleistung lag im zweiten Quartal 1% über dem Vorjahresniveau. Hohe Gaspreise und die Spannungen im Nahen Osten bremsen, haben die konjunkturelle Erholung bisher aber nicht zum Stillstand gebracht. In der Schweiz ist das KOF-Konjunkturbarometer auf den höchsten Stand seit November 2021 gestiegen, und auch die Einkaufsmanagerindizes liegen im expansiven Bereich. Eine erste Schätzung deutete auf ein aussergewöhnlich starkes BIP-Wachstum im zweiten Quartal hin. Dies wurde mit 1,9% Wachstum zum Vorquartal jüngst bestätigt. Rund zwei Drittel des Anstiegs entfielen allerdings auf die volatile Pharmaindustrie. Die Zahlen sind deshalb mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren.
Die robuste Konjunktur trifft auf erneut steigende Teuerungsraten. Vor allem höhere Öl- und Gaspreise erschweren den Notenbanken die Rückkehr zu ihren Inflationszielen. Vor diesem Hintergrund hatten wir unsere Prognose für den Preis eines Barrels Brent-Rohöl auf 95 US-Dollar erhöht. Zu Wochenbeginn stieg der Brent-Preis angesichts der erneuten Spannungen am Persischen Golf zeitweise auf über 97 US-Dollar. Fed-Präsident Kevin Warsh unterstrich am Treffen in Jackson Hole, dass die Inflationsbekämpfung weiterhin Priorität hat. Zusätzlichen Zinsdruck erzeugte der überraschend robuste US-Arbeitsmarktbericht: Im August wurden 162 000 neue Stellen geschaffen, deutlich mehr als erwartet. Für die weitere Einschätzung bleiben die am 11. September anstehenden Inflationsdaten entscheidend.
Auch bei der EZB rechnen die Finanzmärkte an der Sitzung dieser Woche mit einer Zinserhöhung. In der Schweiz zog die Teuerung zuletzt ebenfalls an, bleibt im internationalen Vergleich aber tief. Der nächste Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank fällt am 24. September. Es wird aber keine Anpassung des Leitzinses von 0% erwartet.
Die Renditen langfristiger Staatsanleihen blieben auf etwas erhöhtem Niveau. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten zuletzt bei knapp 4,8%, deutsche Bundesanleihen bei rund 3,3% und Schweizer Staatsanleihen bei lediglich 0,4%.
Zusätzlich beschäftigt die Märkte das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis gewann die AfD mit 43,8% der Stimmen klar vor der CDU mit 17,2%, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Zum Wochenauftakt blieb die unmittelbare Reaktion an den Finanzmärkten begrenzt: Der Euro zeigte sich kaum verändert, während die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen leicht nachgab. Das Ergebnis entsprach weitgehend den vorherigen Umfragen und wird daher bislang nicht als kurzfristiger Konjunktur- oder Marktschock interpretiert.
Das in der Finanzpresse vorherrschende Narrativ richtet sich vielmehr auf die mittel- und langfristigen Folgen der politischen Verschiebung nach rechts. Das wirtschaftliche Gewicht Sachsen-Anhalts und die Kompetenzen einer Landesregierung sind begrenzt. Unternehmensvertreter und Ökonomen sehen jedoch Risiken für die Gewinnung ausländischer Fachkräfte, die Investitionsbereitschaft und insbesondere die Reformfähigkeit der Bundesregierung. Analysen von ING und Oxford Economics betonen, dass eine zunehmende Fragmentierung des Parteiensystems notwendige Reformen erschweren und damit längerfristig das deutsche Wachstumspotenzial belasten könnte. Am Anleihemarkt wird entsprechend diskutiert, ob politische Unsicherheit zunächst die Risikoprämien einzelner Bundesländer erhöht und längerfristig auch einen Teil des Stabilitätsvorteils deutscher Bundesanleihen mindern könnte. Eine solche Neubewertung ist in den bisherigen Marktbewegungen jedoch nicht erkennbar. Der nächste politische Stimmungstest folgt bereits am 20. September mit den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
Trotz deutlicher Schwankungen beendeten die meisten internationalen Aktienmärkte den August im Plus. Innerhalb des IT-Sektors übernahmen Softwareunternehmen die Führung von den zuvor besonders starken Halbleitertiteln. Steigende Goldpreise unterstützten Minenaktien, während Energiewerte von höheren Ölpreisen profitierten. Entsprechend gehörten Grundstoffe und Energie zu den stärksten Sektoren. Der defensive Schweizer Aktienmarkt blieb hinter vielen internationalen Märkten zurück. Besonders gut entwickelten sich einzelne Schwellenländer sowie Japan, die USA und die Eurozone. Robuste Konsumausgaben, ein solides wirtschaftliches Momentum und eine weiterhin starke Gewinnentwicklung bilden grundsätzlich eine konstruktive Basis für Aktien.
In der zweiten Augusthälfte haben wir die im Oktober 2025 aufgebaute taktische Position im Gesundheitssektor mit Gewinn verkauft. Der Erlös wurde vorerst als Liquidität gehalten. Damit liegt unsere Aktienquote wieder nahe der strategischen Gewichtung, und wir sind bei Aktien neutral positioniert. Bei indirekten Schweizer Immobilienanlagen bleiben wir trotz der schwachen Augustperformance leicht übergewichtet. Tiefe Leerstände sowie stabile bis steigende Mieten stützen das Segment. Unsere positive Einschätzung von Gold bleibt unverändert.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) verliert aktuell rund 1,2%. Die Schwergewichte Novartis und Roche belasten heute den Index. Der deutsche Aktienindex (DAX) startet die Woche mit einem leichten Minus von rund 0,2%. Die US-Aktienmärkte dürften am heutigen Nachmittag gemäss der Futures Kurse wenig verändert eröffnen (Stand ca. 09:30 Uhr, 7.9.2026, Basel Zeit).