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Marktausblick

Krieg im Nahen Osten bewegt Märkte

CIO Kommentar, Montag, 9. März 2026

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Dilemma für Trump

Seit dem Beginn der US-israelischen Militäroperation «Epic Fury» gegen den Iran am 28. Februar 2026 befinden sich die globalen Finanzmärkte in einem Zustand erhöhter Volatilität. Die Eskalation auf den gesamten Nahen Osten hat innerhalb der ersten Handelswoche einen nur moderaten Rückschlag an den weltweiten Aktienmärkten ausgelöst. Während die US-Aktienmärkte durch ihre heimische Energieproduktion stärker gepuffert bleiben, erleben Europa und insbesondere Asien (Korea, Japan) einen ausgeprägteren Rückschlag.

Der erneute Anstieg der Energiepreise lässt die Aktienkurse heute (9. März) weiter fallen. Mit einem Kursrückgang beim SMI von gegenwärtig rund 9% seit Beginn des Konfliktes (Stand 9. März. 10:06), sind die Verluste im Bereich von früheren Erfahrungswerten während militärischer Eskalationen im Nahen Osten.

Ökonomisch zentral, jedoch schwer zu beantworten, ist die Frage nach der erwarteten Dauer der Militäroperationen. Sollten die Kampfhandlungen in wenigen Wochen nachhaltig enden und die Disruptionen in der Strasse von Hormus begrenzt bleiben, wären die Auswirkungen auf die globale Wirtschaftsdynamik überschaubar. Dauert der Konflikt jedoch intensiver und länger an, steigt das Risiko weltweit spürbarer negativer Auswirkungen auf die Konjunktur. Ein länger anhaltender Anstieg der Energiepreise könnte Inflation und Wachstum negativ treffen.
Die Trump-Administration ist sich dessen bewusst und versucht mit verschiedenen Massnahmen (Versicherungs-angebote für die Schifffahrt, Aufhebung der Sanktionen gegen Indien in Bezug auf Ölimporte aus Russland) den durch Krieg ausgelösten Energieschock zu dämpfen.

Für die US-Kongresswahlen im November wäre ein an-dauernder Krieg mitsamt Inflationsschub politisches Gift für die Republikaner. Es ist daher davon auszugehen, dass D. Trump alles versuchen wird, um den Krieg rasch zu beenden. Sollte sich das iranische Regime trotz der Angriffe behaupten, wäre dies für Trump eine politische Niederlage. Die US-Administration gerät mit jeder Woche, in der der Krieg länger als erwartet andauert, in ein tieferes Dilemma.

Auch in der Europäischen Union werden gegenwärtig Massnahmen erwogen, um die negativen Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise einzudämmen.
Eine Analyse vergangener Konflikte in Nahen Osten seit 1989 (Kuwait Invasion) ergibt, dass die bisherige Reaktion an den Finanzmärkten insgesamt den bekannten Mustern aus der Vergangenheit folgt. Ein Einbruch der US- und Europäischen Aktienindices von rund 10% ab Beginn des Krieges wäre mit der historischen Erfahrung durchaus noch übereinstimmend. Basierend auf der Analyse der Auswirkungen früherer Konflikte erwarten wir, dass solche Korrekturen innerhalb der kommenden 10 bis 20 Tage kompensiert werden sollten.

Frankenstärke und Geldpolitik der SNB

Der Schweizer Franken hat in den vergangen 12 Monaten rund 6% zum Euro und rund 13% zum USD aufgewertet. Damit ist der Franken mit EURCHF bei 0.90 und USDCHF bei 0.78 bezüglich seiner Kaufkraft deutlich überbewertet. Dies dämpft den Inflationsdruck in der Schweiz, weil Importe günstiger werden, belastet jedoch den ohnehin durch geopolitische Spannungen und US-Zölle geforderten Schweizer Exportsektor.

Dass die Schweizerische Nationalbank SNB aufgrund dieser Entwicklungen die Zinsen in negatives Gebiet senken könnte, ist nicht ausgeschlossen. Für den kommenden Zinsentscheid der SNB am 19. März ist an den Finanzmärkten bisher keine Senkung des CHF-Leitzinses eingepreist. Dies könnte sich mit einem unerwartet lang andauernden Krieg in Nahen Osten aber durchaus ändern. In unserem Basisszenarios einer begrenzten Dauer des US-Einsatzes erwarten wir aber keine Zinssenkung der SNB in diesem Jahr.
Bereinigt um internationale Sportevents wird für das laufende Jahr für die Schweiz ein reales Wirtschaftswachstum von gut 1% erwartet. Dies bei stabiler Beschäftigung und sehr tiefer Inflation.

Anlagestrategie und Ausblick

Der Kriegsausbruch hat den positiven Start ins Jahr 2026 neutralisiert. Die seit Jahresbeginn bis zum 5. März erzielten Nettorenditen liegen je nach gewählter Strategie in einer Spanne von -3% bis +1%. Wir raten dazu, an der gewählten Anlagestrategie festzuhalten. Die Erfahrung aus früheren Krisen lehrt, in solchen Phasen eine ruhige Hand zu bewahren. Wir beobachten die Situation intensiv und behalten uns kleinere Anpassungen vor.

Insbesondere haben wir heute entschieden, bei den Schweizer Aktien ein Re-Balancing durchzuführen und 1% Aktien Schweiz zuzukaufen. Unser Ziel ist es, in etwa auf der strategischen Quote bei den Schweizer Aktien zu bleiben.

Die bereits vor der Krise getätigte Beimischung von Gold, die begrenzte Fremdwährungsallokation sowie eine vorsichtige taktische Positionierung bei Aktien führten bisher zu einer stabilen Entwicklung der uns anvertrauten Vermögen.

Heutige Marktentwicklung

Der Preis der Rohöl Sorte Brent ist aufgrund des Krieges im Nahen Osten auf rund 107 Dollar pro Fass angestiegen, was einem Anstieg seit Anfang Jahr von rund +77% entspricht. Die Befürchtung, dass zunehmend auch Infrastruktuanlagen für die Produktion und den Transport von Öl und Gas vom Krieg betroffen sein könnten, lässt die Aktienmärkte heute weiter fallen.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI-Index) verliert aktuell etwa 2 %. Ebenso fällt Der deutsche Aktienindex (DAX) um rund 1.75 %. Der US-Aktienmarkt wird an den Terminbörsen rund 1 % tiefer erwartet. (Stand ca. 10:35 Uhr, 9. März, 2026, Basel Zeit)

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