CIO Kommentar, Montag, 11. Mai 2026
Die Waffenruhe im Persischen Golf hält formal, steht de facto aber unter Druck. Die jüngsten Gefechte nahe der Strasse von Hormus zeigen, dass der Konflikt nicht geordnet beendet ist, sondern in eine Phase nervöser Zwischenfälle, militärischer Drohungen und diplomatischer Bemühungen eingetreten ist. Gleichzeitig betont Washington, die Waffenruhe gelte weiterhin. Im Zentrum steht nun der amerikanische Vorschlag für eine politische Lösung. Das von Washington vorgelegte Memorandum sieht offenbar eine schrittweise Wiederöffnung von Hormus, eine Lockerung der Hafenblockade und mögliche Sanktionsentlastungen vor. Im Gegenzug müsste Iran Zugeständnisse bei seinem Nuklearprogramm machen, insbesondere bei der Urananreicherung. Aus US-Sicht sind die gemachten Vorschläge des Irans derzeit aber völlig ungenügend. Dennoch dürfte das Ringen um eine Verhandlungslösung damit nicht beendet sein, obwohl derzeit neue Eskalationsdrohungen seitens der USA und Israels wieder die Schlagzeilen beherrschen.
Unser Basisszenario einer verhandelten Lösung bleibt damit intakt. Es ist jedoch eher ein zähes Ringen um einen gesichtswahrenden Ausweg als ein rascher diplomatischer Durchbruch. Entscheidend ist nicht nur, wie viele militärische Fähigkeiten Iran noch besitzt, sondern wie lange das Regime ökonomischen, logistischen und gesellschaftlichen Druck aushalten kann. Umgekehrt wächst auch in den USA der Druck. Die Benzinpreise sind seit Ausbruch des Krieges um mehr als 30% gestiegen und liegen landesweit nahe bei 4.50 USD pro Gallone. Entsprechend hat sich die Konsumentenstimmung deutlich verschlechtert, und die Zustimmung zu Präsident Trump steht unter Druck. Hinzu kommt, dass die Kongresswahlen im November für die Republikaner schwieriger geworden sind. Prognosemärkte sehen die Kontrolle des Senats inzwischen nicht mehr als sicher republikanisch, sondern als offen. Ein demokratischer Wahlsieg in beiden Kammern würde die politische Handlungsfähigkeit des Weissen Hauses deutlich einschränken.
Der Iran-Krieg zwingt zu tieferen globalen Wachstumserwartungen. Er rechtfertigt aber nicht automatisch den Übergang zu einem globalen Rezessionsszenario. Auf Basis der Analysen von Oxford Economics erscheint uns eine spürbare Wachstumsdämpfung derzeit als angemessenes Basisszenario. Die globale Wachstumsprognose für 2026 wurde seit Februar um 0.6 Prozentpunkte auf 2,4% gesenkt. Eine globale Rezession würde vor allem dann wahrscheinlicher, wenn Hormus länger faktisch geschlossen bliebe, Ölpreise mehrere Monate deutlich über 150 USD pro Fass lägen und Engpässe bei Diesel, Kerosin und Schiffstreibstoff entstünden.
Die USA bleiben widerstandsfähiger als Europa. Der Konsum wird zwar durch höhere Energiepreise belastet, profitiert aber weiterhin von soliden Vermögenspositionen, stabilen US-Arbeitsmarktdaten und der Stärke der Aktienmärkte. Zudem bleiben Investitionen in KI-Infrastruktur ein wichtiger Stabilisator.
Für die Eurozone ist die Ausgangslage schwieriger. Das Wachstum ist schwächer, die Energieabhängigkeit höher, und die Industrie reagiert empfindlicher auf Gas-, Strom- und Transportkosten. Gleichzeitig kann die EZB den Inflationsanstieg nicht ignorieren, falls Energiepreise auf Erwartungen und Löhne durchschlagen.
Die in den USA zu Jahresbeginn erwarteten Zinssenkungen sind unwahrscheinlich geworden. Die Fed dürfte vorerst abwarten: Die Inflation liegt weiterhin über dem Ziel und die Konjunktur sendet bislang keine Rezessionssignale. Zinserhöhungen in den USA sind in den nächsten Monaten aber ebenfalls nicht unser Basisszenario.
Für die Schweiz bleibt die geldpolitische Lage vergleichsweise günstig. Die Inflation ist niedrig, der Franken wirkt als Puffer gegen importierte Teuerung, und die SNB hat den Leitzins zuletzt bei 0% belassen. Solange sich der Energiepreisschock nicht deutlich verschärft und der Franken stark bleibt, dürfte auch die SNB den Leitzins vorerst unverändert lassen.
Die Finanzmärkte haben den Iran-Krieg bislang erstaunlich gut absorbiert. Trotz Ölpreisschocks, militärischer Zwischenfälle und erhöhter Unsicherheit sind die grossen Aktienmärkte nicht in Panik gefallen. Im Gegenteil: Der breite US-Aktienindex S&P 500 erreichte am 7. Mai ein neues Allzeithoch. Auch der Schweizer SPI-Aktienindex liegt nur noch rund 3% unter seinem Allzeithoch, das kurz vor Ausbruch des Iran-Krieges im Februar erreicht wurde. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, sollte aber nicht mit Entwarnung verwechselt werden. Wir empfehlen weiterhin das, was sich seit Ausbruch des Krieges bewährt hat: strategische Disziplin mit taktischer Optimierung statt hektischer Portfolioanpassungen.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI-Index) ist gegenwärtig mit -0,2% wenig verändert. Auch der deutsche Aktienindex (DAX) notiert gegenwärtig wenig verändert bei -0.2%.
Für den US-Aktienmarkt zeichnet sich heute ebenfalls eine wenig veränderte Eröffnung ab. Der Goldpreis liegt aktuell bei rund 116'790 CHF pro kg und damit immer noch etwa 10% unter den Rekordwerten von Mitte März Der Der Preis für Rohöl steigt heute aufgrund der Ablehnung des iranischen Angebots moderat um rund 2,5% (Stand ca. 11:00 Uhr, 11. Mai, 2026, Basel Zeit).