CIO Kommentar, Montag, 12. Oktober 2026
Die Angriffe auf den internationalen Flughafen von Riad am vergangenen Wochenende haben die Gefahr einer weiteren Eskalation im Nahen Osten verdeutlicht. Bei den beiden Angriffen am Samstag, 10. Oktober, und Sonntag, 11. Oktober, kamen insgesamt mindestens 14 Menschen ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt. Die von Iran unterstützte Huthi-Miliz bekannte sich zum schweren Angriff vom Samstag. Die saudisch geführte Militärkoalition kündigte eine entschiedene Reaktion an, während US-Präsident Donald Trump eine Beteiligung an militärischen Schlägen gegen die Huthi in Aussicht stellte.
Die Ölpreise haben bislang jedoch nicht signifikant auf die Angriffe reagiert. Bei den Futures auf WTI und Brent blieb ein nachhaltiger Preissprung aus. Diese zurückhaltende Marktreaktion darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Ausweitung der Kampfhandlungen erhebliche Risiken für die Energieversorgung und wichtige Transportwege birgt. Für die Finanzmärkte bleibt insbesondere entscheidend, ob die Eskalation zu zusätzlichen, länger anhaltenden Ausfällen bei der Förderung und beim Transport von Erdöl führt.
In den vergangenen Wochen rückten an den Finanzmärkten französische Staatsanleihen zunehmend in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Der Rendite-Aufschlag zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg gegenüber ihren deutschen Pendants auf 140 Basispunkte, gegenüber zehnjährigen Eidgenossen auf fast 440. Sie liegen damit im Vergleich zu den Schweizer Staatsanleihen deutlich über den Werten während der Eurokrise. Der zentrale Grund hierfür liegt in der ausufernden Verschuldung der Grande Nation und der fehlenden Handlungsfähigkeit der französischen Regierung. Vor dem Hintergrund der politischen Machtverhältnisse gelingt es dieser nicht, einen der aktuellen Lage angemessenen Sparhaushalt durchs Parlament zu bekommen. Der Trend der Staatsverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zeigt vielmehr klar nach oben. Wird hier nicht bald gegengesteuert, ist eine Verschuldungsquote von 130% (Staatsverschuldung/BIP) in wenigen Jahren durchaus im Bereich des Möglichen. Zum Vergleich: Die Maastrichter Verträge hatten ursprünglich eine Obergrenze von 60% vorgesehen.
Problematisch ist diese Entwicklung besonders vor dem Hintergrund, dass Frankreich die zweitgrösste Volkswirtschaft der Eurozone darstellt. Eine sich weiter verschärfende Finanzierungskrise hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit negative Auswirkungen auf den Euro. Die daraus resultierenden Probleme für die Europäische Einheitswährung wären mit Sicherheit deutlich gravierender als im Falle Griechenlands.
Bleibt Frankreich auf dem aktuellen Schuldenpfad, besteht das Risiko für eine Eurokrise 2.0. An den Finanzmärkten wird man deshalb im kommenden Jahr mit noch grösserer Spannung als in der Vergangenheit auf die anstehenden französischen Präsidentschaftswahlen schauen.
Gold stellt für uns – trotz des für das Edelmetall bislang eher schwierigen Jahres – eine sinnvolle Diversifikation in der Vermögensallokation dar. Ausufernde Staatsverschuldungen sind nicht allein ein französisches Problem. Vielmehr steht der Schuldenpfad der USA ebenfalls im Fokus von Anlegerinnen und Anlegern. In den Vereinigten Staaten sind bislang keine Bemühungen der politisch Verantwortlichen erkennbar, die enorme Neuverschuldung zu begrenzen. Entsprechend zeigen auch hier die Rendite-Spreads deutlich nach oben. Anfang Oktober lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen mehr als 470 Basispunkte über entsprechenden Schweizer Staatsanleihen.
Zudem trägt der Konflikt zwischen der US-Notenbank (Fed) und der US-Regierung nicht gerade zur Beruhigung der Gemengelage bei. Während das Fed im September 2026 die erste Zinsanhebung im laufenden Jahr beschlossen und damit ein klares Bekenntnis für die Preisstabilität abgegeben hat, fordert die Trump-Administration tiefere Zinsen. Finanzminister Scott Bessent hat in diesem Zusammenhang weitere Anleihenkäufe durchgeführt, um den Anstieg der Renditen von Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 und 30 Jahren zumindest zu begrenzen. Zu einem deutlicheren Rückgang haben die Bemühungen zumindest bislang nicht geführt.
Die Verschuldungsthematiken rund um den Globus, der anhaltende Inflationsdruck, geopolitische Unsicherheiten, aber auch das sich verändernde globale Machtgefüge und die Rolle der Vereinigten Staaten unter dem Präsidenten Donald J. Trump – all das sind Faktoren, die für Gold in einer Vermögensallokation sprechen.
Vor dem Hintergrund der Vielzahl an Problemen hat sich die globale Konjunktur im Jahresverlauf bislang gut entwickelt. Wir befinden uns zwischenzeitlich im vierten Quartal und damit auf der Zielgeraden für das laufende Jahr. Den Aktienmärkten konnten die Unsicherheiten bislang kaum etwas anhaben. Sie weisen trotz eines nicht ganz einfachen Septembers per 30.09.2026 mit wenigen Ausnahmen positive Renditen seit Beginn des Jahres auf. Teilweise sind diese sogar deutlich zweistellig. Für Aktien sprechen die robusten Aussichten für die globale Konjunktur sowie positive Erwartungen an die Gewinnentwicklung in den USA. Die Vielzahl von Unwägbarkeiten mahnt dagegen zur Vorsicht. Wir sind bei Aktien nahe den strategischen Quoten investiert, also neutral positioniert.
Der Schweizer Aktienmarkt SMI und der deutsche Aktienindex DAX liegen derzeit rund 0.4% im Plus. Für die US-Aktienmärkte wird heute ebenfalls eine leicht positive Eröffnung erwartet (12. Oktober 2026, 10:30 Basel Zeit).