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Marktausblick

Fragile Waffenruhe im Nahen Osten – Verhandlungen vorerst ohne Ergebnis

CIO Kommentar, Montag, 13. April 2026

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Globale Finanzmärkte bleiben nervös

Obwohl nach fast sieben Wochen Krieg formal eine Waffenruhe im Persischen Golf gilt, bleiben die globalen Finanzmärkte in einem Zustand erhöhter Nervosität. Die vor wenigen Tagen vereinbarte zweiwöchige Feuerpause zwischen den USA und Iran hat die Lage gegenüber der Vorwoche zwar taktisch entspannt, den Konflikt aber nicht politisch gelöst. Spätestens mit dem Scheitern der Gespräche in Pakistan ist deutlich geworden, wie schmal die Grundlage dieser Deeskalation geblieben ist.

Trump droht mit Blockade der Strasse von Hormus

Mit der nun von Washington angekündigten Blockade des iranischen Seehandels erreicht der Konflikt eine neue Eskalationsstufe. Zwar sollen Schiffe auf dem Weg zu nichtiranischen Häfen die Strasse von Hormus weiterhin passieren dürfen. Dennoch wird die Meerenge damit noch stärker zu einem militärisch kontrollierten und politisch hochriskanten Engpass. Gerade diese Zwischenform aus begrenzter Offenhaltung und selektiver Blockade erhöht die Gefahr von Fehleinschätzungen, Zwischenfällen und einer schrittweisen Ausweitung des Konflikts auf die hohe See.

Auffällig ist allerdings, dass die heutige Marktreaktion trotz der Schärfe der Schlagzeilen bislang noch nicht den Charakter einer erneuen starken Korrektur angenommen hat. Nach der ersten Belastung zeigen sich die Märkte vorsichtig stabilisiert. Dies deutet darauf hin, dass ein gewichtiger Teil der Investoren weiterhin darauf setzt, dass keine Seite ein Interesse an einer unkontrollierten weiteren Eskalation haben kann.

Gerade darin liegt das strategische Problem. Eine maritime Blockade mag als Instrument ökonomischen Drucks gedacht sein, sie ist aber militärisch und politisch kaum ohne erhebliche Nebenwirkungen durchzusetzen. US-Kriegsschiffe würden näher an iranische Drohnen- und Raketenbedrohungen rücken, zugleich nähme das Risiko zu, dass mit Iran verbundene Akteure auch andere Transitrouten ins Visier nehmen. Aus einer regionalen Konfrontation könnte so schrittweise ein breiterer Störungsschock für Energiehandel, Lieferketten und globale Risikoanlagen entstehen.

Für US-Präsident Donald Trump bleibt die Lage damit politisch und strategisch heikel. Die Waffenruhe liess sich kurzfristig noch als Ausdruck amerikanischer Handlungsfähigkeit darstellen. Mit der nun angedrohten Blockade überwiegt jedoch erneut der Eindruck einer erratischen Eskalationspolitik. Die Kommunikation aus Washington oszilliert weiter zwischen Triumph, maximaler Drohung, Verhandlungsbereitschaft und demonstrativem Desinteresse an weiterer Diplomatie. Gerade im Zusammenspiel von Kriegszielen, Nuklearfrage, Hormus-Regime und regionaler Ausweitung zeigt sich damit erneut das Fehlen einer konsistenten politischen Linie.

Was dies für Investoren bedeutet

Für Investoren ist dies problematisch, weil damit nicht nur der Krieg selbst, sondern auch die US-Führung zum Unsicherheitsfaktor wird. Die USA erscheinen derzeit weniger als ordnende Macht, sondern als Akteur mit hoher militärischer Durchsetzungsfähigkeit, aber begrenzter strategischer Kohärenz. Darüber hinaus wirft der Konflikt auch grundsätzliche Fragen für das transatlantische Verhältnis und damit indirekt auch für das Selbstverständnis der NATO auf.

In Europa wächst die Distanz gegenüber einer amerikanischen Kriegsführung, deren politische Sprache und operative Logik zunehmend sprunghaft wirken. Die von Trump gewählte Rhetorik gegenüber Iran ist mit den Werten europäischer Demokratien schwer vereinbar. Selbst wenn einzelne Aussagen als impulsiv oder taktisch motiviert relativiert werden mögen, bleiben sie politisch wirksam. Der Krieg dürfte deshalb nicht zu einem Bruch Europas mit den USA führen, wohl aber zu einer weiter steigenden strategischen Nüchternheit im Umgang mit amerikanischer Macht.

«In Europa wächst die Distanz gegenüber einer amerikanischen Kriegsführung, deren politische Sprache und operative Logik zunehmend sprunghaft wirken.»
Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Zins- und Inflationserwartungen für die Schweiz

Für die Schweiz bedeutet die neue Lage zunächst eine gewisse Entlastung auf der Inflationsseite, auch wenn von Entwarnung keine Rede sein kann. Die Teuerung stieg im März auf 0,3% gegenüber Vorjahr und lag damit zwar über dem Februarwert, blieb aber unter den Erwartungen.

Die Schweizerische Nationalbank befindet sich damit weiterhin in einer vergleichsweise günstigen geldpolitischen Ausgangslage: Sie hat den Leitzins am 19. März bei 0% belassen und ihre erhöhte Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen betont. Solange der Franken stark bleibt und sich der Energiepreisschock nicht erneut verschärft, ergibt sich daraus voraussichtlich kein unmittelbarer geldpolitischer Handlungsdruck beim nächsten Zins-entscheid am 18. Juni.

Anlagestrategie und Ausblick

Für unsere Anlagestrategie bleibt damit das Grundmuster unverändert: Ruhe bewahren, Schlagzeilen nicht mit Strategie verwechseln. Die seit Jahresbeginn bis zum 13. April erzielten Nettorenditen liegen je nach gewählter BKB-Strategie in einer Spanne von -0,5 % bis +1,25 %. Dies belegt, dass die tatsächlichen Auswirkungen des Krieges auf eine breit diversifizierte Anlagestrategie bisher sehr begrenzt geblieben sind.

Sollte neue Verhandlungsbemühungen eine erneute Markterholung auslösen, dann könnten selektive Gewinnmitnahmen angezeigt sein. Unsere bereits vor der Krise getätigte Beimischung von Gold, die begrenzte Fremdwährungsallokation und punktuelle Erhöhungen unserer taktischen Aktienquote führten bisher zu einer stabilen Entwicklung der uns anvertrauten Vermögen.

Heutige Marktentwicklung

Der Schweizer Aktienmarkt (SMI-Index) ist gegenwärtig mit -0,5% im Minus. Der deutsche Aktienindex (DAX) gibt um rund 1% nach. Für den US-Aktienmarkt zeichnet sich heute eine moderat negative Eröffnung im Bereich von -0,6% ab.

Der Brent-Ölpreis hat nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen erneut zugelegt und liegt bei etwa 102 USD pro Fass.

Der Goldpreis ist Ende März etwas gestiegen und liegt aktuell bei rund 120 200 CHF pro Kilogramm (Stand ca. 09:25 Uhr, 13. April, 2026, Basel Zeit).

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