CIO Kommentar, Montag, 13. Juli 2026
Nach der zwischenzeitlichen Einigung auf ein Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA (ein umfassender Friedensvertrag liegt nicht vor und die Kämpfe haben sich am Wochenende wieder intensiviert), traten in den vergangenen Wochen verstärkt makroökonomischen Daten in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Dabei handelte es sich zum einen um die Entwicklung der Teuerungsraten im Monat Juni und zum anderen die Stimmungsindikatoren bei den Unternehmen.
Bei der Inflation haben die Daten in der Eurozone positiv überrascht, die Konsumentenpreise legten mit 2,8% weniger stark zu als erwartet (die Median-Prognose lag bei 3%). Und auch in der Schweiz entwickelte sich die Teuerung positiv. Mit 0,5% liegt sie im unteren Viertel des Zielbands der SNB von 0% bis 2%. Die Zahlen für die USA liegen dagegen noch nicht vor, hier steht die Veröffentlichung für den 14. Juli auf dem Programm. Im Mai hatten sie aber die Marke von 4% überschritten. Generell wird damit gerechnet, dass auch die US-Inflation wieder unter diese Marke gesunken ist, da in Folge des – wenn auch brüchigen – Rahmenabkommens die Energiepreise global stärker nachgegeben hatten. So lag der Ölpreis der Sorte Brent für eine kurze Zeit nahe der Marke von 70 US-Dollar je Barrel und damit auf dem Niveau von vor dem Krieg im Nahes Osten. Auch wenn die Energiepreise zuletzt in Folge der erneut aufgeflammten gegenseitigen Angriffe des Irans und der USA wieder zugelegt haben, liegt der Ölpreis der Sorte Brent mit weniger als 80 US-Dollar je Barrel heute Morgen doch deutlich unter der Marke von 120 US-Dollar, die Ende April kurzzeitig überschritten wurde.
«Der energiepreisgetriebene Inflationsschub sollte somit nur ein temporäres Phänomen sein.»
Dr. Stefan Kunzmann, Leiter Economic Research
Für die Notenbanken ist das eine positive Entwicklung. Dadurch, dass sich die Energiepreise nur für wenige Monate auf einem stark erhöhten Niveau bewegten, ist die Gefahr von Zweitrundeneffekten (wie bspw. steigende Lohnforderungen) geringer. Der energiepreisgetriebene Inflationsschub sollte somit nur ein temporäres Phänomen sein. Die Wahrscheinlichkeit für Leitzinserhöhungen ist damit in den USA, der Eurozone und der Schweiz etwas gesunken. Für die SNB wird deshalb auch erst für Mitte kommenden Jahres eine Leitzinserhöhung eingepreist.
Auch auf die Stimmungslage unter den Unternehmen hat die Entspannung im Nahen Osten positiv gewirkt. Die insbesondere in Europa unter Druck geratenen Stimmungsindikatoren haben sich stabilisiert bzw. teilweise bereits wieder etwas aufgehellt. Die Indikatoren versprechen aktuell wieder eine leicht expansive Entwicklung der globalen Konjunktur. Für eine vollständige Entwarnung ist es dagegen zu früh. Dies zeigen die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten und der zuletzt wieder gestiegene Ölpreis. Wichtig ist aber, dass weder dem Iran noch den USA an einem nochmaligen Aufflammen des Krieges gelegen sein kann – trotz der aktuell wieder beobachtbaren Eskalation.
Trotz der aktuellen Eskalation im Nahen Osten wird der Schweizer Aktienmarkt (SMI) mit 0,1% höher notiert. Der deutsche Aktienindex (DAX) liegt dagegen im Vergleich zum Handelsschluss am Freitag mit rund 0,2% geringfügig im Minus. Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen eine leicht negative Handelseröffnung, wobei der NASDAQ 100 gemäss der Future-Kurse etwas stärker unter Druck geraten könnte (Stand ca. 09:15 Uhr, 13. Juli 2026, Basel Zeit).