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Marktausblick

Iran-Deal: Hoffnung, aber keine Entwarnung

CIO Kommentar, Montag, 15. Juni 2026

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

In den Verhandlungen zwischen den USA und Iran hatte sich letzte Woche erstmals seit langem wieder konkrete Bewegung abgezeichnet. Inzwischen haben beide Seiten bestätigt, dass sie sich auf ein Rahmenabkommen verständigt haben. Die formelle Unterzeichnung ist für Freitag in Genf vorgesehen. Das Abkommen sieht offenbar eine Verlängerung der Waffenruhe um rund 60 Tage, die Wiederöffnung der Strasse von Hormus, eine Aufhebung der US-Hafenblockade und anschliessende Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm vor.
Die Finanzmärkte haben diese Hoffnung bereits Ende letzter Woche rasch aufgenommen. Aktien legten weiter zu, Brent-Öl fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit den ersten Kriegstagen, und auch die europäischen Gaspreise gaben deutlich nach. Der Ölpreis liegt inzwischen rund 30% unter seinem Hoch während der Eskalation. Das zeigt, wie stark die Märkte auf eine Entspannung des Energieschocks setzen. Zugleich ist ein erheblicher Teil der guten Nachricht bereits eingepreist.

Frühere Phasen diplomatischer Hoffnung wurden wiederholt von Rückschlägen abgelöst.
Deshalb bleibt Vorsicht angebracht. Entscheidend ist nicht nur, dass ein Abkommen unterzeichnet wird, sondern ob Hormus tatsächlich und nachhaltig wieder geöffnet werden kann. Unklar bleibt zudem, in welchem Umfang Iran bereit ist, die Kontrolle über die Meerenge abzugeben oder vollständig zu den Verhältnissen vor den Angriffen Ende Februar zurückzukehren. Zudem bestehen weiterhin Sicherheitsrisiken für die Schifffahrt.
Ein Zwischenabkommen ist daher kein Frieden, sondern ein wichtiger Zeitgewinn: Es würde die unmittelbare Eskalationsgefahr senken, die grundlegenden Konfliktfragen aber lediglich in weitere Verhandlungen verschieben.

Leitzinsen: EZB strafft, Fed und SNB warten ab

Die EZB hat den Leitzins am 11. Juni wie erwartet von 2,00% auf 2,25% erhöht. Sie reagiert damit auf den erneuten Inflationsdruck durch höhere Energiepreise. Die Fed dürfte am 17. Juni den Leitzins bei 3,75% belassen. Dennoch ist die Sitzung bedeutsam: Kevin Warsh leitet erstmals ein FOMC-Treffen. Im Vordergrund stehen weniger der Zinsentscheid selbst als seine erste Pressekonferenz und die Frage, ob die Fed in ihren neuen Zinsprojektionen die bisherige Zinssenkungsneigung zurücknimmt. Zinssenkungen in den USA werden am Markt inzwischen deutlich später erwartet als noch zu Jahresbeginn.

Auch die SNB dürfte am 18. Juni aufgrund der stabilen und tiefen Inflation den Leitzins unverändert bei 0% belassen. Gleichzeitig haben sich die Deflationsrisiken verringert, das Wachstum bleibt widerstandsfähig, und der Franken hat sich zuletzt etwas abgeschwächt. Damit erhält die SNB Spielraum für eine abwartende Haltung. Wahrscheinlich ist ein vorsichtig strafferer Ton, verbunden mit dem Hinweis auf die Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.

Für die Finanzmärkte bedeutet dies: Das Umfeld bleibt von höheren oder zumindest länger hohen Zinsen geprägt. Die Hoffnung auf rasche Zinssenkungen ist vorerst verdrängt. Entscheidend wird sein, ob die jüngste Entspannung bei Öl- und Gaspreisen anhält oder ob der Energieschock erneut auf Inflationserwartungen, Unternehmenspreise und Löhne durchschlägt. Bis dahin dürften die Zentralbanken vorsichtig bleiben und die Märkte stärker auf Bewertungsdisziplin achten.

SpaceX: Rekordbewertung trifft Realitätstest

Das Rekord-IPO von SpaceX zeigt, wie stark die Risikobereitschaft für grosse Technologie- und KI-Geschichten zurückgekehrt ist. Mit einem Emissionsvolumen von 75 Mrd. USD und einer Bewertung von rund 1.8 Bio. USD gehört SpaceX auf Anhieb zu den grössten börsenkotierten Unternehmen der Welt. Die Platzierung war mehrfach überzeichnet; vor dem ersten Handelstag signalisierten Schattenmärkte einen möglichen Kursaufschlag von mehr als 30%.

SpaceX ist damit mehr als ein einzelner Börsengang. Das Unternehmen verbindet Raumfahrt, Satelliteninfrastruktur, künstliche Intelligenz und langfristige Industrievisionen in einer einzigen Wachstumsstory. Das IPO wird deshalb zum Stimmungstest für den breiteren Technologie- und KI-Komplex. Ein erfolgreicher Start könnte weitere grosse Technologieplatzierungen erleichtern und die Aufnahmefähigkeit der Kapitalmärkte für visionäre Wachstumsunternehmen bestätigen.

Gerade deshalb ist eine nüchterne Einordnung wichtig. Ein klassisches KGV ist bei SpaceX derzeit kaum sinnvoll, da das Unternehmen zuletzt Verluste schrieb. Eine einfache Überschlagsrechnung verdeutlicht aber die Dimension der Erwartungen: Bei einer Bewertung von rund 1.8 Bio. USD müsste SpaceX bei einem langfristigen KGV von 30 einen nachhaltigen Jahresgewinn von etwa 60 Mrd. USD erzielen. Bei rund 22’000 Mitarbeitenden entspräche dies rund 2.7 Mio. USD Gewinn pro Mitarbeitenden. Zum Vergleich: Apple und Alphabet erzielten 2024 jeweils gut eine halbe Million USD Gewinn pro Mitarbeitenden, die UBS Group rund 47’000 USD. SpaceX wird damit nicht auf Basis heutiger Ertragskraft bewertet, sondern als sehr weitreichende Option auf künftige Dominanz in Raumfahrt, Satelliteninfrastruktur und künstlicher Intelligenz.

Anlagestrategie: Gewinne sichern, dennoch Momentum massvoll nutzen

Am 12. Juni haben wir die seit Anfang Juni erkennbare, rund 5% umfassende Konsolidierung der Momentum-Strategie genutzt, um die Position im BKB Sustainable Global Momentum Select zulasten passiver Aktien-Welt-Fonds leicht aufzustocken. Das Rekord-IPO von SpaceX unterstreicht die hohe Risikobereitschaft für Technologie-, KI- und Wachstumswerte. Auch wenn die Bewertungen in Teilen anspruchsvoll erscheinen, bleibt die positive Marktdynamik stark. Die Momentum-Strategie hat den Aufwärtstrend sehr gut eingefangen und erlaubt uns, an dieser Marktstärke selektiv beteiligt zu bleiben.

Bereits in der letzten Maiwoche hatten wir nach der starken Aktienmarkterholung seit Ende März einen Teil der Gewinne aus unserer bis dahin sehr deutlichen Aktienübergewichtung realisiert. Die frei gewordenen Mittel werden in der jeweiligen Anlagewährung als Liquidität gehalten. Damit reduzieren wir die Abhängigkeit von einer raschen geopolitischen Entspannung und bleiben zugleich flexibel.

In unserer Referenzstrategie Fokus Schweiz Ausgewogen liegt die Aktienquote nach den jüngsten Anpassungen weiterhin gut zwei Prozentpunkte über der strategischen Benchmark von 45%. Die Übergewichtung besteht vor allem zugunsten von Gesundheitsaktien, japanischen Small & Mid Caps sowie Schweizer Aktien. Schweizer Obligationen bleiben untergewichtet; Immobilien Schweiz und Gold sind leicht übergewichtet.

Heutige Marktentwicklung

Nachdem am Freitag die Aktienmärkte weltweit freundlich geschlossen haben, eröffnen die europäischen Börsen heute erneut positiv. Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) gewinnt derzeit rund 1,0%. Der deutsche Aktienindex (DAX) liegt rund 1,7% im Plus. Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen derzeit eine positive Handelseröffnung (Stand ca. 9:30 Uhr, 15. Juni 2026, Basel Zeit).

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