CIO Kommentar, Montag, 21. September 2026
In der vergangenen Woche stand die Geldpolitik der US-Notenbank im Fokus der Finanzmärkte. Bereits im Vorfeld wurde die Wahrscheinlichkeit als sehr hoch eingeschätzt, dass die US-Fed unter ihrem Präsidenten Kevin Warsh die Leitzinsen erstmals wieder erhöhen könnte. Der Offenmarktausschuss wurde den Erwartungen gerecht, er hat die Leitzinsen am Mittwoch, den 16. September 2026 um 25 Basispunkte erhöht. Die Erhöhung erfolgte vor dem Hintergrund des anhaltenden Inflationsdrucks in den USA. Mit der Krise im Nahen Osten, die sich zuletzt mit dem Vormarsch der mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen auf den Schiffsverkehr durch das Rote Meer ausgedehnt hat, sind die Chancen gesunken, dass die erhöhten Inflationsraten in vielen Ländern weltweit nur temporärer Natur sind. Je länger der Konflikt dauert und je länger die Energiepreise hoch bleiben, desto grösser wird die Gefahr, dass sich Zweitrundeneffekte bemerkbar machen und dass sich die Kernraten, also die Teuerungsraten unter Ausklammerung von Energie- und Nahrungsmittelpreisen, erhöhen.
Auch wenn Notenbanken eine solch angebotsseitige Inflation nicht wirklich bekämpfen können – höhere Zinsen zielen in erster Linie auf eine Eindämmung einer zu hohen Nachfrage – ist das Signal an die Marktteilnehmer doch sehr wichtig. Nämlich dass sich die Zentralbanken der Preisniveaustabilität verpflichtet fühlen und dieser Aufgabe auch nachkommen. Hätte die US-Fed auf dieses Signal verzichtet, dann hätte ihre Glaubwürdigkeit womöglich gelitten und der Druck auf die länger laufenden US-Staatsanleihen wäre unter Umständen noch gestiegen. D. h. die Kurse wären noch stärker gefallen, die Renditen noch stärker gestiegen.
Auch wenn der jetzige Fed-Entscheid nicht im Sinne des US-Präsidenten Donald J. Trump ist, haben die Verantwortlichen ihm am Ende damit einen Gefallen getan. Ohne ein klares Bekenntnis zur Preisniveaustabilität wäre vor dem Hintergrund der exzessiven Fiskalpolitik der US-Regierung unseres Erachtens die Gefahr gross gewesen, dass sich der aktuell bestehende Abwärtstrend bei den US-Staatsanleihen und damit der Trend zu steigenden Renditen sogar noch beschleunigt hätte. Nach dem Zinsentscheid sind die Renditen zwar nicht deutlich gefallen, sie sind vorerst aber auch nicht weiter gestiegen: 10-jährige US-Staatsanleihen rentieren aktuell mit knapp 5 %, 30-jährige um 5.3 %. Beides Niveaus, die auch Anfang des Jahrtausends zu beobachten waren. Die zwischenzeitliche Tiefzinsphase mit Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen von unter 3 % bzw. zwischenzeitlich sogar unter 2 % (bspw. in 2020) scheint damit endgültig vorbei.
Aktuell gilt: nach dem Zinsentscheid ist vor dem Zinsentscheid. Eine einmalige Erhöhung der US-Leitzinsen dürfte das Problem nicht lösen. Entsprechend werden am Markt seitens der Fed auf Jahresfrist drei weitere Leitzinserhöhungen eingepreist.
Während also bei der US-Notenbank wie auch bei der Europäischen Zentralbank die Zeichen auf Leitzinserhöhungen stehen, sieht sich die Schweizerische Notenbank mit einem etwas «einfacheren» geldpolitischen Umfeld konfrontiert. Zwar sind auch in der Schweiz die Teuerungsraten im August weiter gestiegen, mit einem Anstieg des Preisniveaus von zuletzt 0.8 % liegt die Inflation aber weiterhin komfortabel im Zielband der SNB von 0 bis 2 %.
Ein Augenmerk dürfte die Notenbank aber zunehmend auf die Entwicklung des Schweizer Frankens haben. Dessen Stärke hat den Inflationsdruck aus dem Ausland in den vergangenen Jahren abgefedert. In diesem Jahr hat der Franken dagegen im Vergleich zu Euro und US-Dollar an Wert verloren. Der Franken-Euro-Kurs steuert auf die Marke von 0.95 CHF je Euro zu, der Franken-Dollar-Kurs auf 0.83 CHF je US-Dollar – die aktuellen Wechselkurse liegen über den Kursen vom Jahresanfang. Dies sind zwar gute Nachrichten für exportorientierte Unternehmen, der Druck seitens einer importierten Inflation könnte aber steigen.
Auch für die Schweizerische Notenbank gilt es, trotz aktuell tiefer Teuerungsraten vorausschauend zu agieren, um das Inflationsgespenst unter Kontrolle zu halten. Für den kommenden Donnerstag, den 24. September, wird vom Markt dennoch keine Leitzinserhöhung eingepreist. Ein Zinsschritt kann zwar nicht vollständig ausgeschlossen werden, wäre aber zum jetzigen Zeitpunkt eine faustdicke Überraschung.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) hat die neue Handelswoche positiv eröffnet. Er liegt 0.6 % im Plus. Der deutsche Aktienindex (DAX) wird ebenfalls in einem ähnlichen Ausmass stärker notiert. Auch die US-Aktienmärkte werden am heutigen Nachmittag gemäss der Futures Kurse höher erwartet. Ein Grund für den freundlichen Wochenstart sind die wieder etwas tieferen Energiepreise. Nachdem der Ölpreis für die Sorte Brent vor über einer Woche noch die Marke von 110 US-Dollar je Barrel getestet hatte, liegt er heute Morgen bei knapp 102 US-Dollar. (Stand ca. 09:30 Uhr, 21.09.2026, Basel Zeit)