Accesskeys

Blogbeitrag zusammenfassen

Dieser Inhalt wurde durch KI generiert und kann Ungenauigkeiten enthalten.

Marktausblick

Gold, Zölle und die zweite Phase des KI-Booms

CIO Kommentar, Montag, 24. August 2026

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Drei Entwicklungen prägen zum Wochenbeginn das Marktgeschehen. Der Goldpreis nähert sich wieder 120’000 CHF je Kilogramm. Zwischen den USA und Kanada ist der Handelskonflikt überraschend eskaliert. Gleichzeitig zeigen neue Daten, dass der KI-Investitionsboom zunehmend auch Teile der klassischen Industrie erfasst.

Gold nähert sich wieder 120’000 CHF je Kilogramm

Der Goldpreis hat seine seit Mitte Juli laufende Erholung deutlich beschleunigt. In US-Dollar stieg er zuletzt auf über 4’600 USD je Unze. Umgerechnet in Franken nähert er sich damit wieder 120’000 CHF je Kilogramm. Allein in der vergangenen Woche legte Gold in Dollar um mehr als 5 Prozent zu. Damit wurde ein erheblicher Teil der vorangegangenen Korrektur wieder aufgeholt.

Auslöser der jüngsten Bewegung waren die angekündigten höheren Rückkäufe langfristiger US-Staatsanleihen durch das US-Finanzministerium. Diese Ankündigung schwächte den Dollar und belebte den sogenannten «Debasement Trade». Gemeint ist die Umschichtung aus Bargeld und nominalen Staatsanleihen in knappe, nicht an das Zahlungsversprechen eines Staates gebundene Vermögenswerte. Anleger sichern sich damit gegen das Risiko ab, dass hohe Staatsschulden langfristig über Inflation, negative Realzinsen oder eine schwächere Währung entwertet werden. Gold ist dafür das klassische Instrument.

Die Rückkäufe des US-Finanzministeriums werden durch die Ausgabe anderer Staatsanleihen finanziert und senken weder das Defizit noch die Nettoverschuldung. Auch ihr Umfang ist im Verhältnis zum gesamten US-Anleihemarkt sehr gering. Ihre Bedeutung liegt vor allem im Signal, dass die US-Regierung auf die hohen langfristigen Finanzierungskosten empfindlich reagiert.

Der Hintergrund für diese Nervosität ist nachvollziehbar. Das amerikanische Haushaltsdefizit dürfte 2026 rund USD 1,9 Billionen beziehungsweise 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. Auch die Jahre davor waren haushaltspolitisch im tiefroten Bereich.

Die öffentlich gehaltenen Staatsschulden könnten von derzeit 101 Prozent des Bruttoinlandprodukts bis 2036 auf 120 Prozent steigen. Das Risiko, dass die hohe Verschuldung den zukünftigen Handlungsspielraum der Geldpolitik einschränkt, wird von den Anlegern aber zunehmend ernst genommen.

«Für Schweizer Anleger bleibt Gold deshalb ein sinnvoller Portfoliodiversifikator.»
Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Unterstützt wird Gold zudem durch anhaltende Zentralbankkäufe und wieder steigende Zuflüsse in Gold-ETFs. Allein in der vergangenen Woche nahmen diese mehr als 28 Tonnen Gold auf. Für Schweizer Anleger bleibt Gold deshalb ein sinnvoller Portfoliodiversifikator. Wir halten eine strategische Beimischung weiterhin für sinnvoll, sehen in der jüngsten Rally jedoch keinen Anlass für eine prozyklische Erhöhung unserer bereits gehaltenen Übergewichtung von Gold.

USA und Kanada: Freihandel mit Vorbehalt

Nach dem Scheitern der Verhandlungen haben die USA am Samstag zusätzliche Zölle von 50 Prozent auf ausgewählte kanadische Waren in Kraft gesetzt. Es handelt sich nicht um einen pauschalen Zoll auf sämtliche Einfuhren aus Kanada, sondern um rund 550 Zollpositionen im Wert von knapp USD 20 Milliarden. Dies entspricht etwa 5 Prozent der amerikanischen Warenimporte aus dem Nachbarland. Betroffen sind unter anderem Wein, Milchprodukte, Zement, Möbel, Textilien und Elektronik. Kanada hat Gegenmassnahmen angekündigt, die ab dem 8. September gelten sollen.

Die eigentliche Zäsur liegt weniger im unmittelbaren Handelsvolumen als im institutionellen Signal. Washington stützt sich erstmals auf Section 338 des Tariff Act von 1930. Für die erfassten Produkte gilt der Zusatzzoll selbst dann, wenn sie die Ursprungsregeln des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA erfüllen.
Das USMCA bleibt zwar bis 2036 in Kraft. Nachdem die USA im Juli einer langfristigen Verlängerung nicht zugestimmt haben, wird es nun jährlich überprüft. Aus einem verlässlichen Ordnungsrahmen droht damit ein fortlaufendes Verhandlungsinstrument zu werden. Bemerkenswert ist zudem, dass Washington kanadische Gegenmassnahmen auf frühere US-Zölle nun als Begründung für neue Zölle verwendet. Vergeltungsmassnahmen lösen damit weitere Vergeltungsmassnahmen aus.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit ist asymmetrisch. Rund 72 Prozent der kanadischen Warenexporte gehen in die USA. Kanada nimmt demgegenüber nur rund 16 Prozent der amerikanischen Warenexporte auf. Wegen der eng verflochtenen Produktionsketten werden die Zölle dennoch auch amerikanische Zulieferer und Konsumenten belasten. Vorprodukte und Fahrzeugteile überqueren die Grenze teilweise mehrfach, bevor ein Endprodukt fertiggestellt ist.

Für Kanada steigen die Risiken für Wachstum, Beschäftigung, Unternehmensmargen und den kanadischen Dollar. Noch schwerer wiegt langfristig die sinkende Planungssicherheit. Wenn selbst ein bestehendes Freihandelsabkommen keinen verlässlichen Schutz vor neuen Zöllen bietet, müssen Unternehmen das politische Risiko bei grenzüberschreitenden Investitionen dauerhaft höher gewichten.

Diese Erkenntnis ist auch für Europa und die Schweiz relevant: Eine handelspolitische Einigung mit den USA ist zunehmend als vorläufiges Verhandlungsergebnis und weniger als dauerhafte Garantie zu betrachten.

Der KI-Investitionsboom erreicht die Industrie

Die zweite Phase des KI-Zyklus ist weniger digital, als ihr Name vermuten lässt. Rechenzentren benötigen nicht nur Halbleiter, sondern auch Transformatoren, Schaltanlagen, Kühlsysteme, Turbinen, Notstromaggregate, Maschinen, Metalle und Bauleistungen. Der Investitionsimpuls beginnt sich deshalb entlang der physischen Lieferkette auszubreiten.

Die US-Daten bestätigen diesen Übergang. Im zweiten Quartal stiegen die realen Ausrüstungsinvestitionen annualisiert um 15,2 Prozent. Die Investitionen in geistiges Eigentum legten um 8,8 Prozent zu. In der Industrie lag die Produktion von Computern und Elektronik im Juli 9,9 Prozent über dem Vorjahr. Bei Elektroausrüstung betrug das Wachstum 6,2 Prozent und im Maschinenbau 4,4 Prozent. Das gesamte verarbeitende Gewerbe wuchs dagegen lediglich um 1,2 Prozent.

Bau von Rechenzentren steigt

Von einem allgemeinen Industrieboom kann deshalb noch keine Rede sein. Besonders deutlich wird die Konzentration im Bau. Die Ausgaben für Rechenzentren lagen im Juni rund 46 Prozent über dem Vorjahr. Der private Nichtwohnungsbau ohne Rechenzentren schrumpfte dagegen um knapp 8 Prozent. Auch der Fabrikbau blieb schwach. Der KI-Effekt ist somit breiter als noch vor einem Jahr, verläuft aber weiterhin in einem relativ schmalen industriellen Korridor.

Gleichzeitig treten neue Engpässe auf. Die Lieferzeiten für Transformatoren und andere Netzkomponenten betragen teilweise mehrere Jahre. Fehlende Netzanschlüsse, der steigende Strombedarf und lokale Genehmigungsverfahren können Projekte verzögern. Hinzu kommt, dass die enormen Kapitalausgaben weiterhin auf wenige grosse Technologiekonzerne konzentriert sind und ihre zukünftige Rentabilität noch nicht abschliessend bewiesen ist.

Für Anleger erweitert sich das KI-Universum dennoch deutlich über Halbleiter und Software hinaus. Interessant sind insbesondere Industrieunternehmen mit knappen Kapazitäten, hohen Auftragsbeständen und entsprechender Preissetzungsmacht. Eine pauschale Wette auf alle Zykliker oder sämtliche Metallproduzenten lässt sich aus den Daten dagegen nicht ableiten.

Für die Portfolios sprechen diese Entwicklungen weiterhin für eine breite Diversifikation. Gold behält seine Funktion als strategische Absicherung. Die zunehmenden Handelsrisiken verlangen eine sorgfältige Analyse regionaler Lieferketten. Beim KI-Thema erweitert sich das Anlageuniversum, gleichzeitig bleibt Selektivität entscheidend.

Heutige Marktentwicklung

Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) notiert derzeit kaum verändert. Dies gilt auch für den deutschen Aktienindex (DAX). Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen eine leicht negative Handelseröffnung.

Am kommenden Mittwoch, 26.8. wird NVIDIA die Ergebnisse für das zweite Quartal vorstellen. Es werden rund 92 Milliarden USD Umsatz und etwa 51 Milliarden USD bereinigter Nettogewinn erwartet. Das sind weiterhin aussergewöhnliche Dimensionen: Gegenüber dem Vorjahresquartal würden sich Umsatz und bereinigter Gewinn ungefähr verdoppeln (Stand ca. 10:30 Uhr, 24.08.2026, Basel Zeit).

© Bank Cler / Diese Angaben dienen ausschliesslich Werbezwecken und stellen eine freiwillige Dienstleistung der Bank Cler dar, auf welche kein Rechtsanspruch besteht. Die Bank Cler kann die Publikation jederzeit ohne Vorankündigung einstellen. Die publizierten Informationen dienen nicht der Anlageberatung und stellen in keiner Weise ein Kaufangebot, eine Anlageempfehlung oder eine Entscheidungshilfe in rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen oder anderen Belangen dar. Sie dienen einzig informativen Zwecken. Die in dieser Information verarbeiteten Aussagen, Stammdaten, Kennzahlen und Marktkurse bezieht die Bank Cler aus öffentlich zugänglichen Quellen, die sie für zuverlässig hält. Eine Garantie für Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben, von deren Auswertung oder deren Wiedergabe kann die Bank Cler nicht übernehmen und keine Aussage ist als Garantie zu verstehen. Es wird keine Haftung für Verluste oder entgangene Gewinne übernommen, die aus der Nutzung obenstehender Informationen entstehen könnten. Zum Ausdruck gebrachte Meinungen können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Die in dieser Publikation enthaltenen Anlageinformationen könnten – je nach speziellen Anlagezielen, Zeithorizonten oder bezüglich des Gesamtkontextes der Finanzposition – für bestimmte Investorinnen und Investoren ungeeignet sein. Wir empfehlen, dass diese, bevor sie Anlageentscheidungen treffen, sich den Rat der Anlageberaterin bzw. des Anlageberaters ihrer Bank einholen. Diese Informationen richten sich ausschliesslich an natürliche und juristische Personen sowie Personengesellschaften und Körperschaften mit Wohnsitz bzw. Sitz in der Schweiz.
Den CIO-Kommentar jeden Montag in Ihrer Inbox
  • Aktuelle Markteinschätzungen
  • Die Sicht von unserem CIO auf die Aktienmarktlage
  • Marktrückblicke und -prognosen
  • Wichtige «Take-aways» zum Finanzmarkt

CIO-Kommentar abonnieren

Möchten Sie wirklich abbrechen?

Nur noch wenige Schritte.

Weiter Formular schliessen