CIO Kommentar, Montag, 26. Oktober 2026
Auch in der vergangenen Woche gab es bei den französischen Staatsanleihen keine Entwarnung. Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen stiegen auf über fünf Prozent und damit über diejenige der US-amerikanischen Pendants. Das Augenmerk der Finanzmärkte liegt dabei weiterhin auf der Verschuldungssituation der Grande Nation. Dabei geht es ähnlich wie in den Vereinigten Staaten weniger um die erreichte absolute Höhe von rund 120% Staatsverschuldung im Verhältnis zum französischen BIP, sondern vielmehr um den zuletzt rasanten und ungebremsten Anstieg. Ohne eine ernsthafte staatliche Sparpolitik besteht bei einem «weiter so» die Gefahr, dass Frankreich bereits im Verlauf des Jahres 2028 die 130% Marke knacken könnte. Zudem dürften die nun zu zahlenden Renditen dafür sorgen, dass auch die Zinslast – also die Zinsausgaben des Staates in Prozent des BIP, zuletzt bei 2,2% – in den kommenden Jahren stärker ansteigen wird.
Das Thema Frankreich – immerhin die zweitgrösste Volkswirtschaft der Eurozone – ist zwischenzeitlich auch beim Euro angekommen. Bewegte er sich Ende September noch Richtung 0,95 CHF je EUR, ist er nun wieder auf 0,92 CHF je Euro gefallen. Für die Schweizerische Nationalbank kommt diese Abschwächung sicherlich nicht ungelegen, mildert der wieder stärkere Franken doch das Risiko einer importierten Inflation.
Interessanterweise sind dagegen die wirtschaftlichen Aussichten für die Eurozone insgesamt gar nicht so schlecht. Die von Bloomberg erhältlichen Konsensprognosen (Median) signalisieren für 2027 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,3%, was dem längerfristigen Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2025 entspricht. Und auch die am vergangenen Freitag veröffentlichen vorläufigen Daten zu den Stimmungsindikatoren aus dem Unternehmensbereich (Einkaufsmanagerindizes) stützen dieses Bild. Der Gesamtindex für die Eurozone liegt mit 51.9 Punkten über der kritischen 50-Punkte-Marke und damit leicht im expansiven Bereich. Zur Wahrheit gehört leider aber auch, dass die Aussichten für Frankreich weniger gut eingeschätzt werden. Zum einen versprechen die Prognosen für das kommende Jahr nur ein Wachstum von 0,9%, zum anderen hat sich die Stimmung unter den Unternehmen der Grande Nation zuletzt wieder eingetrübt. Sowohl der Einkaufsmanagerindex für die Industrie wie auch jener für den Dienstleistungsbereich liegt wieder unter der 50-Punkte-Marke. Für Deutschland signalisieren die Daten trotz aller Unkenrufe grundsätzlich eine positive Entwicklung. Mit 54.2 Punkten sind speziell die Unternehmen aus dem Bereich der Industrie allem Anschein nach recht gut unterwegs. Dies passt zu dem Bild, dass die Prognosen für den Anstieg des deutschen BIP auch von führenden deutschen Forschungsinstituten im laufenden Jahr sukzessive erhöht wurden.
In dieser Woche stehen auch wichtige geldpolitische Entscheidungen auf dem Programm. Die Verantwortlichen der US-Fed kommen am Mittwoch zu ihrer Sitzung zusammen, die der EZB am Donnerstag. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone liegen die Inflationsraten (gemessen am breiten Konsumentenpreisindex) mit 3,7% respektive 3,8% deutlich über der Zielmarke von 2%. Auch wenn nach wie vor davon ausgegangen werden darf, dass der Inflationsschub nur temporärer Natur ist - die Prognosen signalisieren für das zweite Halbjahr sowohl für die USA als auch für die Eurozone Teuerungsraten wieder nahe 2% -, sind die Notenbanken gefordert klare Positionen für Preisstabilität zu beziehen. Es ist deshalb durchaus möglich, dass sich EZB und Fed zu einer erneuten Anhebung der Leitzinsen durchringen können. Am Markt sind mögliche Zinsschritte für diese Woche jedoch nicht eingepreist, eine Anhebung der Leitzinsen wäre somit eine Überraschung.
Nachdem die Börsen am Freitag meist im Minus schlossen, signalisieren die Futuresmärkte heute Morgen eine leicht positive Eröffnung. Der Schweizer Aktienmarkt SMI dürfte danach 0,2% höher eröffnen, der deutsche Aktienindex DAX liegt vorbörslich 0,3% im Plus. Für den breiten US-Aktienmarkt wird ebenfalls eine leicht positive Eröffnung von 0,2% erwartet (26. Oktober 2026, 8:50 Basel Zeit).