CIO Kommentar, Montag, 28. September 2026
Die Schweizerische Nationalbank hat ihren Leitzins am vergangenen Donnerstag unverändert bei 0% belassen. Gleichzeitig erhöhte sie ihre Inflationsprognose auf 0.7% für 2026 und jeweils 0.8% für 2027 und 2028. Höhere Energiepreise und die Abschwächung des Frankens haben den Teuerungsausblick etwas nach oben verschoben. Dennoch bleibt die prognostizierte Inflation über den gesamten Zeitraum im Bereich der Preisstabilität.
Bemerkenswert ist, dass diese Prognose auf einem durchgehend unveränderten Leitzins von 0% beruht. Die erwartete Preisstabilität setzt somit keine künftigen Zinserhöhungen voraus. Allerdings rechnet die SNB damit, dass die Energieteuerung im Verlauf von 2027 wieder nachlässt. Das bedeutet nicht zwingend eine Rückkehr zu tiefen Energiepreisen: Auch ein anhaltend hohes Preisniveau kann mit sinkenden Inflationsraten einhergehen, sofern weitere Preissprünge ausbleiben. Die Prognose ist deshalb weder eine Entwarnung noch eine Zusage dauerhaft unveränderter Zinsen.
In den USA und der Eurozone bleibt die Inflation dagegen ein zentrales geldpolitisches Problem. Beide Notenbanken haben ihre Leitzinsen zuletzt erhöht. Zum heutigen Wochenbeginn setzte sich der Verkaufsdruck auf US-Staatsanleihen fort. Laut Bloomberg stiegen die Renditen zehnjähriger Papiere im asiatischen Handel auf 5.2%, während sich Rohöl der Sorte Brent erneut auf rund 106 US-Dollar je Fass verteuerte. Die Erwartung weiterer Zinserhöhungen hält die Anleihemärkte unter Druck.
Die nächsten geldpolitischen Entscheide folgen am 28. Oktober bei der Fed und am 29. Oktober bei der EZB. Die nächste reguläre Lagebeurteilung der SNB findet erst am 10. Dezember statt. Bis dahin wird insbesondere wichtig sein, wie breit sich die höheren Energie- und Transportkosten auf die übrigen Konsumentenpreise übertragen.
US-Präsident Donald Trump hat am Wochenende den iranischen Vorschlag zur Wiederöffnung der Strasse von Hormus zurückgewiesen. Gleichzeitig stellte er weitere Verhandlungen für diese Woche in Aussicht. Iran hält seinerseits an seinen Bedingungen fest.
Wann daraus eine Einigung entstehen könnte, bleibt schwer einzuschätzen. Auch spieltheoretische Methoden können diese Unsicherheit nicht beseitigen. Ihre Ergebnisse hängen von Annahmen über die politischen und strategischen Absichten der Beteiligten ab: Wer trägt welche Kosten, welches Gewicht haben diese für die Entscheidungsträger und welche weiteren Belastungen sind sie bereit zu akzeptieren? Selbst ein ausgefeiltes Modell macht solche schwer überprüfbaren Annahmen nicht verlässlicher. Hohe wirtschaftliche Schäden allein erlauben deshalb keinen Schluss auf eine baldige Einigung.
Die beobachtbaren wirtschaftlichen Folgen geben bislang keine Entwarnung. Laut Oxford Economics beeinträchtigt der weiterhin eingeschränkte Tankerverkehr durch Hormus die Rohölversorgung ostasiatischer Raffinerien. Die Knappheit raffinierter Erdölprodukte belastet zugleich die amerikanischen Treibstoffbestände. Der US-Dieselpreis erreichte zuletzt rund 6.50 US-Dollar je Gallone. Der Rohölpreis allein bildet diese Belastungen nur unvollständig ab.
Diesel verteuert auch die Herstellung und den Transport zahlreicher Güter. Oxford Economics schätzt, dass die Knappheit raffinierter Erdölprodukte die jährliche US-Kerninflation gemäss PCE-Index Anfang 2027 um bis zu 0.4 Prozentpunkte zusätzlich erhöhen könnte. Eine wirtschaftliche Entspannung müsste sich deshalb nicht nur in politischen Ankündigungen, sondern auch in verlässlicheren Lieferungen und sinkenden Treibstoffkosten zeigen.
Geostrategische Krisen und Inflationssorgen dominieren die Schlagzeilen. Unter dem Strich erzielen unsere Strategiefonds seit Jahresbeginn dennoch ansprechende Anlagerenditen. Als Orientierung für die Anlagelösungen im Konzern liegen die Wertzuwächse per 25. September indikativ beim Profil Einkommen bei 2.6%, bei Regelbasiert bei 4.4%, bei Ausgewogen bei 5.6% und bei Wachstum bei 8.7%.
Die Zwischenbilanz fällt damit über alle vier Profile positiv aus. Ein schwieriges Nachrichtenumfeld und erfreuliche Anlageergebnisse sind kein Widerspruch. Die bisherigen Renditen bieten allerdings keine Gewähr für die weitere Entwicklung.
Der Schweizer Aktienmarkt SMI und der deutsche Aktienindex DAX notieren aktuell praktisch unverändert. Die Terminkurse für die US-Aktienmärkte signalisieren für den heutigen Nachmittag dagegen eine um rund 0.5% schwächere Eröffnung. (28. September 2026, 11:30 Basel Zeit)