CIO Kommentar, Montag, 31. August 2026
Ende der vergangenen Woche fand vom 27. bis zum 29. August 2026 das Economic Policy Symposium der Notenbanken in Jackson Hole, Wyoming statt. Im Fokus des diesjährigen Treffens stand der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh. Markteilnehmer erhofften sich vor dem Hintergrund des anhaltenden Inflationsdrucks in den USA von seiner Grundsatzrede unter anderem Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Pfad der US-Fed.
Die Teuerungsraten in den Vereinigten Staaten liegen sowohl bei der Betrachtung der Konsumentenpreise (3,4%) wie auch bei dem Blick auf den von der US-Notenbank vielbeachteten PCE-Deflator (3,7%) aktuell deutlich über dem Inflationsziel von 2%. Andererseits scheinen die aktuell hohen Inflationsraten – glaubt man den im Bloomberg verfügbaren Konsensprognosen (Median), die bereits für Mitte 2027 wieder Inflationsraten von nahe 2% versprechen – eher temporärer Natur. Eine restriktivere Geldpolitik wäre dennoch durchaus vertretbar, was auch die Forderungen einiger Mitglieder aus dem Offenmarktausschuss der Fed nach höheren Leitzinsen erklärt.
Höhere Leitzinsen würden andererseits die Diskussionen im Hinblick auf die Entwicklung der Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen weiter befeuern. Diese standen in den vergangenen Tagen und Wochen verstärkt im Fokus der Finanzmärkte. Sie stiegen zwischenzeitlich auf über 5,3% (das Tief lag 2020 kurzzeitig unter 1%) und damit auf den höchsten Stand seit Mitte 2007. Steigende Renditen von US-Staatsanleihen sind aber insbesondere vor dem Hintergrund der in den vergangenen Jahren und auch aktuell rasant steigenden US-Staatsverschuldung problematisch. Je höher die zu zahlenden Kreditzinsen (denn eine Staatsverschuldung ist nichts anderes als die Kreditaufnahmen der öffentlichen Hand auf den Kapitalmärkten),
Eine restriktivere Geldpolitik in Form steigender Leitzinsen könnte somit die Bemühungen von US-Finanzminister Scott Bessent kurzfristig torpedieren, die äusserst expansive Ausgabenpolitik der USA möglichst günstig zu finanzieren. Der Verzicht auf ein klares Bekenntnis zu einer auf Preisniveaustabilität ausgerichteten Geldpolitik könnte dagegen mittel- und längerfristig noch verheerendere Folgen haben. Käme es zu einem Käuferstreik bei US-Staatsanleihen, wären auch deutlich höhere Renditen denkbar. Mit dem Vertrauen ist es nämlich so eine Sache: einmal verloren, ist es sehr schwer, es zurückzugewinnen.
Zumindest am Markt hatte man vor dem Symposium in Jackson Hole eine klare Meinung zur US-Geldpolitik. Für die Sitzung am 16. September war keine Veränderung der Leitzinsen eingepreist, es wurde also davon ausgegangen, dass die US-Notenbank die Entwicklung der Preisdaten erst einmal abwarten will.
Auch nach Kevin Warshs Rede hat sich daran nichts Grundlegendes geändert. Die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung im September ist – glaubt man den verfügbaren Marktdaten – aber leicht gestiegen, für Ende Jahr wird zwischenzeitlich fest mit einer Zinsanhebung gerechnet. Der US-Notenbankchef hat das Inflationsziel der Fed bestätigt und verdeutlicht, dass die aktuelle Geldpolitik nicht restriktiv genug ist, um dieses Ziel auch zeitnah zu erreichen. Das Bekenntnis zum Inflationsziel und damit auch zu einer notfalls restriktiveren US-Geldpolitik hatte aber am Ende des Tages nur wenig Einfluss auf die Aktien- und Bondmärkte. Gold und Silber sowie Bitcoin kamen am Freitagnachmittag dagegen etwas unter Druck.
An den Aktienmärkten wird mit wenig Veränderungen zum Start der neuen Handelswoche gerechnet. Die Terminbörsen signalisieren für den Schweizer Aktienmarkt (SMI) einen Handelsstart nahe den Schlusskursen vom Freitag, für den deutschen Aktienindex (DAX) ein leichtes Minus von 0,2%. Auch die US-Aktienmärkte dürften am Nachmittag gemäss der Futures kaum verändert eröffnen (Stand ca. 08:50 Uhr, 31.08.2026, Basel Zeit).