CIO Kommentar, Montag, 22. Juni 2026
Wie erwartet hat die US-Zentralbank (Fed) den Leitzins letzte Woche unverändert belassen. Erstmals leitete der neue Vorsitzende Kevin Warsh die Sitzung und betonte überraschend deutlich das klare Bekenntnis der Fed zur Preisstabilität. Die Inflation liegt bereits seit mehr als fünf Jahren deutlich über dem Ziel von zwei Prozent und belastet die amerikanische Bevölkerung. Auch die vierteljährlichen Prognosen der Sitzungsteilnehmer («Dot Plots») dämpften die Stimmung an den Märkten. Sie lassen für dieses Jahr keine Zinssenkung mehr erwarten. Warsh selbst hatte keine Prognosen beigesteuert. Er sieht diese und das Kommunikationsinstrument der «Forward Guidance», also der Orientierung über die künftige Geldpolitik, kritisch. Dementsprechend ist die Mitteilung zum Zinsentscheid deutlich kürzer ausgefallen, als dies unter Warshs Vorgänger der Fall war. Der neue Fed-Vorsitzende kündigte zudem eine Überprüfung der bisherigen Kommunikations- und Arbeitsweisen an.
Der restriktive Ton des Fed-Vorsitzenden beeinträchtigte die Stimmung an den Aktienmärkten zunächst nur vorübergehend. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Bank of England beliessen ihre Leitzinssätze erwartungsgemäss unverändert. Dagegen erhöhte die Bank of Japan ihren Leitzins auf 1% – den höchsten Stand seit über dreissig Jahren. Der japanische Yen legte gegenüber Euro und Schweizer Franken etwas zu, verlor aber gegenüber dem US-Dollar.
Die Schweizerische Notenbank rechnet für die nächsten Quartale – bedingt durch steigende Rohstoffpreise und höhere Importpreise – weiterhin mit einer leichten Zunahme der Teuerung, ehe sie in der ersten Jahreshälfte 2027 wieder zurückgehen sollte. Die SNB geht davon aus, dass die moderatere globale Entwicklung das Wachstum in der Schweiz etwas dämpfen wird, ehe mittelfristig durch die Verbesserung der internationalen Konjunktur ein Wachstumsimpuls zu erwarten ist. An den Märkten ist aktuell seitens der SNB keine Veränderung der Leitzinsen eingepreist.
Auch wenn sich das 14 Punkte umfassende Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran hier und da wie ein Stabilisierungs- und Förderprogramm für das Teheraner Regime liest, stand letzte Woche an den Finanzmärkten die Erleichterung über das Ende der militärischen Auseinandersetzung im Nahen Osten und die erwartete Öffnung der Strasse von Hormus im Vordergrund. Viele Details, beispielsweise die Finanzierung des 300 Mrd. USD umfassenden Aufbaufonds, mögliche Bedingungen für die Nutzung der Schiffahrstrasse von Hormus oder ein Zeitplan für die Aufhebung der Sanktionen und die Aufgabe des iranischen Nuklearprogramms, bleiben offen. Die anstehenden Verhandlungen werden daher zäh und können für Volatilität an den Märkten sorgen. So wurde der geplante Konferenzstart am Freitag auf dem Bürgenstock zunächst verschoben, gestern brach die iranische Delegation die Verhandlungen vorerst ab. Heute Morgen wurde nun eine Einigung auf das weitere Vorgehen vermeldet. Innerhalb von 60 Tagen soll ein endgültiges Abkommen erzielt werden.
Nach einem starken Start stieg der Kurs der SpaceX-Aktie zeitweise um 67% über den Ausgabepreis, gab jedoch am Mittwoch und Donnerstag wieder nach. Neben der hohen Bewertung stehen auch Indexanbieter in der Kritik, die anlässlich des Space-X-Börsengangs mit einer Änderung ihrer Indexreglements eine frühere Aufnahme und höhere Gewichtung neu kotierter Unternehmen zugelassen haben. Kritiker befürchten, dass dies in Zukunft zu höherer Volatilität dieser Indizes führen könnte.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) wird fast 0,3 % schwächer notiert. Der deutsche Aktienindex (DAX) zeigt sich im Vergleich zum Handelsschluss am Freitag kaum verändert. Auch für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen derzeit eine nur wenig veränderte Handelseröffnung, nachdem am Freitag die US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen waren.