CIO Kommentar, Montag, 29. Juni 2026
Am 4. Juli feiern die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Das Jubiläum erinnert an den politischen und institutionellen Anspruch, auf dem die Vereinigten Staaten seit 1776 aufbauen. Für die Finanzmärkte ist dies mehr als ein historisches Datum. Die USA bleiben der wichtigste Kapitalmarkt der Welt, verfügen über führende Technologieunternehmen, tiefe Finanzmärkte, hohe Innovationskraft und mit dem US-Dollar weiterhin über die zentrale globale Reservewährung. Gleichzeitig fällt das Jubiläum in eine Phase, in der die amerikanische Vormachtstellung stärker herausgefordert wird als in früheren Jahrzehnten.
Die USA bleiben wirtschaftlich ausserordentlich leistungsfähig, aber sie sind nicht frei von strukturellen Spannungen. Hohe Staatsdefizite, eine zunehmende Zinslast, politische Polarisierung, handelspolitische Konflikte und eine weniger unbestrittene geopolitische Führungsrolle belasten das Bild. Auch die amerikanische Notenbank bewegt sich in einem anspruchsvollen Umfeld. Unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh hat die Fed zuletzt ein deutliches Bekenntnis zur Preisstabilität signalisiert. Die Leitzinsen wurden zwar unverändert belassen, doch die neuen Projektionen lassen für dieses Jahr keine Zinssenkung mehr erwarten. Dass die US-Inflation im Mai mit 4,2% fast auf mexikanischem Niveau lag, ist für die führende Volkswirtschaft der Welt ein Warnsignal und relativiert die Vorstellung amerikanischer makroökonomischer Überlegenheit. Damit bleibt die Botschaft der Fed klar: Sie muss die Inflationserwartungen verankern, auch wenn dies für die Finanzmärkte weniger angenehm ist als die zuvor erhoffte rasche geldpolitische Lockerung.
In diese Woche fällt zudem ein wichtiger Konjunkturtest. Die US-Arbeitsmarktdaten, die sogenannten Non-Farm Payrolls, erscheinen ausnahmsweise bereits am Donnerstag, 2. Juli, und nicht wie üblich am Freitag. Erwartet wird eine Abkühlung des Stellenwachstums, aber kein Bruch des Arbeitsmarktes. Eine Zunahme der Beschäftigung um rund 85 000 Stellen wäre deutlich weniger als im Mai, aber immer noch solide genug, um Rezessionssorgen zu begrenzen. Die Arbeitslosenquote dürfte bei etwa 4,3% verharren. Auch die Lohnentwicklung scheint derzeit nicht auf eine neue Inflationsbeschleunigung hinzudeuten. Für die Fed wäre dies ein Arbeitsmarktbild, das ihre abwartend-restriktive Haltung unterstützt: robust genug, um keine Zinssenkungen zu erzwingen, aber nicht so stark, dass zusätzliche Überhitzungssorgen entstehen.
Die jüngsten Meldungen aus dem Persischen Golf zeigen die veränderte geopolitische Realität exemplarisch. Die USA und Iran haben sich vor der Wiederaufnahme technischer Gespräche zwar darauf verständigt, weitere Angriffe vorerst zu unterlassen. Damit sinkt das unmittelbare Eskalationsrisiko, und die freie Passage von Schiffen durch die Strasse von Hormus rückt wieder näher. Zugleich haben die Angriffe auf Handelsschiffe und die amerikanischen Gegenschläge der letzten Tage deutlich gemacht, wie fragil diese Entspannung bleibt. Im Kern geht es weiterhin um die Frage, wer die Bedingungen für die Nutzung eines der wichtigsten Energie- und Handelswege der Welt bestimmt.
Für die USA ist die Freiheit der Seewege seit Jahrzehnten Teil ihrer globalen Ordnungsmacht. Dass diese Rolle heute stärker verhandelt, bestritten und militärisch abgesichert werden muss, passt zur Diagnose einer multipolarer gewordenen Welt. Die Vereinigten Staaten verfügen weiterhin über sehr grosse Machtmittel. Gleichzeitig sind China, regionale Mächte im Nahen Osten und andere Akteure eher bereit, amerikanische Vorgaben offen herauszufordern. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet dies, dass geopolitische Risiken stärker in die Bewertung von Energiepreisen, Lieferketten, Inflation und Kapitalmärkten einfliessen müssen.
In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick in die am 22. Juni publizierte Juni-Ausgabe unseres Anlegermagazins Chancen, die den USA gewidmet ist. Unter dem Titel «USA – zwischen Vormacht und Herausforderung» wird dort gezeigt, dass die Rede vom amerikanischen Niedergang zu kurz greift. Die USA bleiben in zentralen Bereichen führend: bei Kapitalmarkttiefe, Innovationsfinanzierung, Technologieclustern, militärischer Projektion und der Rolle des US-Dollars. Gleichzeitig hat sich das globale Umfeld verändert. China hat an wirtschaftlichem und technologischem Gewicht gewonnen, Europa muss seine strategische Handlungsfähigkeit stärken, und Handel, Technologie, Zahlungsverkehr und Kapitalflüsse sind politischer geworden.
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Seit Jahresbeginn zeigen die Aktienmärkte auf Total-Return-Basis in Schweizer Franken eine solide positive Entwicklung. Auffällig ist dabei, dass Schweizer Anlegerinnen und Anleger mit einer Präferenz für heimische Aktien bisher nicht das Nachsehen gegenüber US-Aktien hatten. Der S&P 500 erzielte bis zum 26. Juni eine Rendite von 9,42% in CHF, der Nasdaq Composite 10,75% und der Swiss Performance Index 9,39%. Damit liegt der SPI praktisch gleichauf mit dem breiten US-Aktienmarkt und nur moderat hinter dem technologiegeprägten Nasdaq Composite.
Diese Entwicklung war im Jahresverlauf nicht geradlinig. Schweizer Aktien litten zu Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar zunächst unter der erhöhten geopolitischen Unsicherheit und der defensiveren Marktstimmung. Ab April setzte jedoch eine deutliche Erholung ein. Inzwischen hat der Swiss Performance Index neue Allzeithochs erreicht, zuletzt am Donnerstag, 25. Juni. Für Anlegerinnen und Anleger mit Schweizer Referenzwährung ist dies ein wichtiger Befund: Eine substanzielle Schweizer Aktienallokation bedeutete 2026 bisher keinen Verzicht auf Aktienmarktrendite, sondern erwies sich als konkurrenzfähig gegenüber dem breiten US-Markt.
Die Marktwahrnehmung bleibt dennoch stark von US-Technologie, künstlicher Intelligenz und grossen Wachstumsunternehmen geprägt. Dies ist nachvollziehbar, denn viele der wichtigsten strukturellen Wachstumsthemen sind in den USA besonders stark vertreten. Gleichzeitig war der US-Technologiesektor im Juni volatiler, während Schweizer Aktien im Jahresverlauf aufgeholt haben. Das relativiert die oft gehörte Einschätzung, dass man 2026 nur mit US-Technologieaktien erfolgreich investieren konnte. Entscheidend war weniger die geografische Etikette als die Qualität der Unternehmen, die Währungsbasis und die Fähigkeit, robuste Markttrends systematisch zu nutzen.
Der deutlichste Mehrwert entstand durch die konsequente Nutzung relativer Stärke (Momentum). Der BKB Sustainable Global Equities Momentum Select Fonds erzielte in 2026 bis zum 26. Juni eine Total-Return-Performance von 29,15% in CHF. Damit lag die Strategie rund 18.4 Prozentpunkte vor dem Nasdaq Composite und knapp 20 Prozentpunkte vor S&P 500 und SPI. Das ist nicht Ausdruck einer pauschalen Wette auf US-Technologie, sondern zeigt die besondere Stärke eines regelbasierten Momentum-Ansatzes in einem Marktumfeld, in dem Trends zwar kräftig, aber regional und sektoral uneinheitlich verlaufen.
Die jüngste Entwicklung von SpaceX unterstreicht diese Ambivalenz. Der Börsenstart war ein eindrückliches Signal für die wieder hohe Risikobereitschaft gegenüber grossen Technologie-, KI- und Infrastrukturgeschichten. Gleichzeitig zeigen die anschliessenden Kursschwankungen, dass auch sehr überzeugende Zukunftserzählungen kurzfristig empfindlich auf Bewertung, Indexaufnahme, Gewinnperspektiven und Marktstimmung reagieren können. Das KI-Thema bleibt ein zentraler Wachstumstreiber, doch die Börse beginnt zunehmend zwischen realer Ertragskraft, Investitionsbedarf und sehr hohen Erwartungen zu unterscheiden. Dies zeigte sich zuletzt auch in der erhöhten Volatilität vieler Technologieaktien.
Wir bleiben in unserer Anlagestrategie weiterhin leicht übergewichtet bei Aktien. Den Momentum-Faktor bei Aktien Welt haben wir zurückhaltend beigemischt. Damit verbinden wir einen stabilen Schweizer Aktienanker mit der Möglichkeit, an globalen Markttrends teilzunehmen, ohne die gesamte Aktienallokation einseitig auf den US-Technologiesektor auszurichten.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) notiert derzeit fas unverändert. Dies gilt ebenfalls für den deutsche Aktienindex (DAX). Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen derzeit eine positive Handelseröffnung im Bereich von ca. +0,75% (Stand ca. 10:45 Uhr, 29. Juni 2026, Basel Zeit).