CIO Kommentar, Montag, 30. März 2026
Der Konflikt im Nahen Osten ist inzwischen in seinen zweiten Monat eingetreten. Die Lage hat sich zuletzt wieder zugespitzt. Über das Wochenende kam es zu neuen Raketen- und Drohnenangriffen in der Region, auch durch die mit dem Iran verbundenen Huthi die aus Jemen heraus im roten Meer agieren. So wird auch die Meerenge von Bab al-Mandab bedroht, welche für die saudische Umleitung eines Teils der Rohölexporte über das Rote Meer strategisch kritisch ist. Wie gross die Bedrohung der Huthi für den Schiffsverkehr im Roten Meer tatsächlich ist, bleibt derzeit unklar.
Gleichzeitig verstärken zusätzliche US-Truppenbewegungen im Nahen Osten die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Zwar betont US-Präsident Donald Trump weiterhin seine Bereitschaft zu einer Einigung mit dem Iran, belastbare Hinweise auf tragfähige Verhandlungen gibt es derzeit jedoch nicht. Die politischen Signale aus Washington und Teheran bleiben widersprüchlich und wechselhaft.
Der Iran und mit ihm verbundene Akteure bleiben weiterhin in der Lage, empfindliche Ziele in der Region zu bedrohen. Dies betrifft nicht nur Energieinfrastruktur, sondern auch Transportwege, Industrieanlagen und weitere kritische Infrastruktur in den Golfstaaten. Die bisherigen militärischen Aktionen der USA und Israels haben die Bedrohung für die Region und für zentrale Knotenpunkte der Weltwirtschaft bislang nicht beseitigt.
Im Zentrum der ökonomischen Risiken steht weiterhin die Strasse von Hormus. Die dortigen Störungen haben sich inzwischen zu einem sehr bedeutenden Energiepreisschock entwickelt. Zwar konnten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate einen Teil ihrer Exporte über alternative Pipelines umleiten, und zusätzliche Reservefreigaben haben den Markt vorübergehend entlastet. Diese Puffer sind jedoch begrenzt und ersetzen keine dauerhafte Normalisierung der Transporte durch Hormuz.
«An den Finanzmärkten zeigt sich, dass die Entwicklung weiterhin stark von geopolitischen Schlagzeilen abhängt. Der Ölpreis ist in den vergangenen Wochen markant gestiegen.»Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer
Die Rohölsorte Brent lag zuletzt zeitweise bei über 116 USD pro Fass und verzeichnet damit den stärksten monatlichen Anstieg seit langem. Auch die US-Rohölsorte WTI notiert heute wieder über 100 USD pro Fass. Zwar liegt der Ölpreis damit noch unter historischen Extremwerten, doch die Belastung für Wachstum und Inflation hat spürbar zugenommen. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Schock nicht auf Rohöl beschränkt bleibt. Vor allem bei Diesel, Kerosin, LNG und petrochemischen Vorprodukten steigt das Risiko physischer Versorgungsengpässe, falls die Störungen anhalten.
Der wirtschaftliche Druck ist vor allem in Asien sichtbar, wo erste Knappheiten, Rationierungen und eine nachlassende Nachfrage zu beobachten sind. Mit zunehmender Dauer des Konflikts dürfte sich der Druck aber stärker nach Europa und in andere Regionen ausweiten. Besonders Europa ist gefährdet, bei einer längeren Störung deutlich höhere Preise für Energieimporte zahlen zu müssen und in einzelnen Bereichen – etwa bei Diesel oder LNG – stärker unter Versorgungsdruck zu geraten.
Gleichzeitig ist es wichtig, zwischen einem schweren Energieschock und einem eigentlichen globalen Rezessionsszenario zu unterscheiden. Szenariorechnungen von Oxford Economics zeigen, dass eine weltweite Rezession insbesondere dann wahrscheinlicher würde, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig eintreten: Ölpreise von deutlich über 150 USD pro Fass über mehrere Monate, anhaltende Knappheiten bei raffinierten Energieprodukten, zusätzliche Ausfälle von Umleitungsrouten, erhebliche Schäden an Energieinfrastruktur sowie breitere Zweitrundeneffekte über Lieferketten, Inflationserwartungen, Finanzierungskosten und Aktienmärkte. Von einem solchen Negativszenario sind wir derzeit weiterhin noch deutlich entfernt.
Die USA stehen damit politisch und militärisch weiter in einem Dilemma. Einerseits wächst der Druck, den Iran zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen und die Schifffahrt durch Hormuz wieder zu normalisieren. Andererseits würde eine weitere militärische Eskalation das Risiko zusätzlicher wirtschaftlicher Schäden für die USA und die Weltwirtschaft erhöhen. Im Basisszenario gehen wir von einem Ende der militärischen Eskalation innerhalb der kommenden drei bis vier Wochen aus. Bei der Frage, ob im Iran unter dem Druck der USA und Israels ein Regimewechsel gelingt, bleiben wir weiterhin sehr skeptisch.
In unserem Basisszenario gehen wir somit nicht von einer globalen Rezession aus. Entscheidend bleibt jedoch, ob es gelingt, die gegenwärtigen Störungen in der Energieversorgung in den kommenden Wochen schrittweise einzudämmen. Je länger die derzeitige Lage anhält, desto grösser wird das Risiko, dass aus einem Preis- und Transportschock ein breiter physischer Versorgungsschock wird.
Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten erhöhen die Risiken für Inflation und Geldpolitik erneut. Bereits bei Ölpreisen um 110 USD je Fass steigen die Inflationsrisiken spürbar. Für die Eurozone deuten ökonomische Schätzungen darauf hin, dass ein solcher Ölpreisschock die Inflation merklich erhöhen und das Wachstum dämpfen würde. Bei einem weiteren deutlichen Anstieg des Ölpreises würde sich dieser stagflationäre Effekt entsprechend verstärken.
Für die Zentralbanken bedeutet dies eine unangenehme Ausgangslage. Einerseits belastet der Krieg die Konjunktur, andererseits erhöht er den Preisdruck über Energie, Transport und Vorleistungsgüter. Die Erwartungen für die aus den Zinskurven implizierten Zinsschritte sind gegenwärtig volatil.
Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnten im Negativszenario mehrere Zinsschritte nach oben vornehmen, wenn man die aktuellen Signale aus den Zinskurven wörtlich nimmt. Hingegen sind weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed zunehmend in Frage gestellt.
Im Basisszenario sehen wir derzeit jedoch noch keine Notwendigkeit, die geldpolitischen Grundannahmen grundsätzlich zu revidieren. Die Risiken sind klar gestiegen, eine nachhaltige Neukalibrierung der Inflationserwartungen ist aber bislang nicht notwendig.
Bei einer anhaltenden Störung oder gar faktischen Blockade der Strasse von Hormuz über mehrere Monate hinweg würden die Risiken für Weltwirtschaft und Inflation deutlich zunehmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich die derzeitigen Marktspannungen in breit angelegte physische Knappheiten bei Ölprodukten, LNG und wichtigen Vorprodukten verwandeln. In einem solchen Fall müssten auch die bisherigen Basisszenarien für Wachstum und Inflation in den wichtigsten Wirtschaftsregionen kritisch überprüft werden.
Noch wirken Reservefreigaben, Umleitungen und andere Stützungsmassnahmen dämpfend. Solange diese Puffer bestehen und keine weitere massive Verschärfung hinzukommt, sehen wir keinen Grund, das Basisszenario eines leicht unterdurchschnittlichen, aber positiven globalen Wirtschaftswachstums im Jahr 2026 grundlegend zu revidieren. Eine Rezession in den USA oder in der EU bleibt aus heutiger Sicht Risikoszenario und ist nicht unser Basisszenario.
Historisch betrachtet reagieren Aktienmärkte auf geopolitische Schocks oft zunächst heftig, stabilisieren sich aber häufig wieder rasch, sobald die Konturen des Basisszenarios klarer werden. Gleichwohl bleibt das Risiko einer konjunkturellen Abschwächung real, falls die Energie- und Transportstörungen deutlich länger anhalten als derzeit unterstellt. Wir empfehlen deshalb weiterhin, diszipliniert an der gewählten Anlagestrategie festzuhalten.
Die Märkte bleiben weiter stark von geopolitischen Nachrichten abhängig. Entsprechend dürfte in den kommenden Tagen und Wochen vor allem entscheidend sein, ob sich die Signale aus Washington, Teheran und den regionalen Akteuren eher in Richtung Stabilisierung oder in Richtung weiterer Eskalation entwickeln.
Aus taktischer Sicht spricht die aktuelle Lage weiterhin für Vorsicht, ohne bereits ein globales Rezessionsszenario zu unterstellen. Energie- und inflationssensitive Anlageklassen dürften vorerst volatil bleiben. Gold bleibt in diesem Umfeld als Diversifikationsbaustein grundsätzlich unterstützt. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Marktphase, wie rasch kurzfristige Übertreibungen sowohl nach oben wie nach unten auftreten können. Wir beobachten die Entwicklung weiterhin aufmerksam.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI-Index) ist gegenwärtig mit 0.2% leicht im Plus. Der deutsche Aktienindex (DAX) gibt geringfügig um rund 0.1% nach. Für den US-Aktienmarkt zeichnet sich eine leicht freundliche Eröffnung im Bereich von +0.4% ab.
Der Brent-Ölpreis hat nach den jüngsten Eskalationssignalen erneut zugelegt und lag zuletzt zeitweise bei über 116 USD pro Fass. Noch ist jedoch keine eigentliche Panikphase im Ölmarkt erreicht. Entscheidend wird sein, ob die Marktteilnehmer weiter auf eine begrenzte Dauer der Störung setzen können oder ob sich zunehmend die Erwartung einer längeren Unterbrechung durchsetzt.
Auch die Preise für raffinierte Energieprodukte sind stark gestiegen. Besonders bei Diesel, Kerosin und Schiffstreibstoffen zeigen sich erste Zeichen einer deutlich angespannten Versorgungslage. In Asien ist die Nachfrageschwäche teilweise bereits Ausdruck beginnender Knappheit und Rationierung. Für Europa steigt das Risiko, in den kommenden Wochen ebenfalls stärker von dieser Entwicklung erfasst zu werden.
Der Goldpreis ist wieder etwas gestiegen und liegt aktuell bei rund 116’250 CHF pro Kilogramm. Die Volatilität bei der Preisentwicklung von Gold war seit Ausbruch des Krieges im Nahen Osten sehr hoch. Wir halten an unserer taktischen Übergewichtung von Gold fest. Anlegerinnen und Anleger, die bisher keine Diversifikation in Gold aufgebaut hatten, bietet sich gegenwärtig eine Einstiegsmöglichkeit (Stand ca. 10:15 Uhr, 30. März, 2026, Basel Zeit).