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Lauf, Leon, lauf!

In einem Ultramarathon die eigenen Grenzen ausloten – Leon Häusermann hat es gewagt und dabei bereits bei der Vorbereitung darauf mehr gelernt, als er erwartet hätte.

«Nach 30 Kilometern hat man schon alles einmal durchgedacht – dann wird es langweilig im Kopf». Das ist jedenfalls die Erfahrung, die Leon an seinem letzten Marathon gemacht hat. Wie übersteht man denn bitte einen Ultramarathon von sage und schreibe 100 Kilometern?

Leons Grossvater unterstützte einst als «Velobegleiter» seinen Schwager, Leons Grossonkel, bei dessen Ultramarathon. Sein Tipp an Leon: «Nimm bloss nie an einem Ultramarathon teil. Deinem Grossonkel ging es danach nicht gut.» Was als gutgemeinte Abschreckung gedacht war, weckte bei Leon erst recht die Neugier. Er nahm es als Anreiz, seine eigenen Grenzen kennenzulernen und begann vor rund vier Jahren mit dem intensiven Laufsport. 2025 folgte dann der erste Marathon in Basel.

Zurzeit absolviert Leon ein 18-monatiges BEM-Praktikum bei der Bank Cler. Trotz eines vollen Wochenpensums trainiert der ambitionierte Sportler fast täglich. Ergänzend zu den Vereinstrainings stellt er sich seinen eigenen Laufplan zusammen. «Ich habe viel ausprobiert und bin oft gescheitert. Inzwischen habe ich den Trainingsplan gefunden, der zu mir passt.»

Fünfmal pro Woche trainiert Leon – jeweils nach der Arbeit am Abend. Dabei legt er Distanzen zwischen 8 und 30 Kilometern zurück. «Ich bin kein Morgenmensch. Laufen vor der Arbeit funktioniert für mich nicht.»

Am 5. Juni 2026 war es so weit: Um 22 Uhr startete Leon in Biel zu seinem ersten Ultramarathon. «Die Stimmung mitten in der Nacht war unbeschreiblich.» Für die 100 Kilometer hat es nicht ganz gereicht. Die Muskelschmerzen in den Waden waren zu gross. Aber mit 83 Kilometer hat Leon sozusagen zwei Marathons hintereinander absolviert und ist über 12 Stunden am Stück gerannt.
Am Ultramarathon anzutreten, war für ihn ein grosses Highlight – genauso wie die Vorbereitung darauf.
«Ich habe gelernt, geduldiger mit mir selbst zu sein, mich zu motivieren und ‘durezbiisse’.»
Diese Erfahrungen helfen ihm auch in anderen Lebensbereichen.

Und welche sportlichen Ziele hat er nach einem Ultramarathon noch? «Zuerst mache ich ein bis zwei Monate Pause. Danach wahrscheinlich wieder kürzere Distanzen, also Marathons und vielleicht probiere ich in Zukunft mal einen Triathlon aus. Und auf jeden Fall werde ich nochmals bei einem Ultramarathon antreten.»
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