CIO Kommentar, Montag, 8. Juni 2026
Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran laufen seit Wochen, doch ein belastbarer Durchbruch ist weiterhin nicht erkennbar. Teheran spricht offen davon, dass im Verhandlungsprozess bislang keine greifbaren Fortschritte erzielt worden seien. Aus Washington kommen widersprüchliche Signale: Gespräche könnten am ersten Juni Wochenende stattfinden, vielleicht aber auch nicht. Diese kommunikative Unschärfe hält die Hoffnung auf eine politische Lösung am Leben, schafft aber keine verlässliche Grundlage für Entspannung.
Zugleich zeigen die Ereignisse am Golf, dass die Waffenruhe nur formal trägt. Besonders der Angriff auf den internationalen Flughafen von Kuwait mit Toten und zahlreichen Verletzten macht deutlich, dass der Konflikt nicht befriedet ist. Kuwait ist kein unbedeutender Nebenschauplatz, sondern ein enger US-Verbündeter und Standort amerikanischer Truppen. Damit ist die Lage nicht stabilisiert, sondern in einen instabilen Modus begrenzter Eskalation übergegangen: weniger offene Grosseskalation, aber weiterhin militärische Schläge, Vergeltung und hohe Fehlerrisiken.
Auch die Lage im Libanon spricht gegen eine belastbare regionale Entspannung. Nachdem die von den USA vermittelte Waffenruhe von der Hezbollah nicht getragen wurde, forderte die israelische Armee Bewohner mehrerer Orte im Südlibanon auf, ihre Häuser vor neuen Operationen zu verlassen. Washington möchte die US-Iran-Gespräche von der Libanon-Front trennen. Teheran und Hezbollah halten diese Verknüpfung jedoch aufrecht.
Heute werden neue wechselseitige Raketenangriffe zwischen Israel und dem Iran gemeldet. Ebenfalls wird vermeldet, dass die Huthi Rebellen nach Raketenangriffen auf Isarael eine Blockade des roten Meers für israelische Schiffe verkündet haben.
Gleichzeitig wächst in den USA der politische Widerstand gegen den Krieg. Der Entscheid des Repräsentantenhauses, die militärische Auseinandersetzung mit Iran zu stoppen, beendet die Operationen zwar nicht unmittelbar. Er zeigt aber, dass der innenpolitische Druck auf Präsident Trump zunimmt. Der Kongress kann eine laufende Eskalation kurzfristig nicht beenden, er kann jedoch den politischen Preis weiter erhöhen.
Die kommenden Zinsentscheide von EZB und Fed stehen im Zeichen eines schwierigeren Inflationsumfelds. Der Energiepreisschock hat die Hoffnung auf rasche Zinssenkungen verdrängt. In der Eurozone wird für den 11. Juni inzwischen mit einem Zinsschritt gerechnet. Die Fed dürfte am 17. Juni vorsichtig bleiben. Die SNB ist am 18. Juni in einer komfortableren Ausgangslage und dürfte den CHF-Leitzins bei null belassen.
Bei illiquiden Anlagen wie Private Equity und Private Credit erfolgt die Anpassung an die Erwartung höherer USD-Zinsen meist verzögert: Bewertungen werden seltener gestellt, Transaktionen sind weniger transparent, und Refinanzierungsprobleme zeigen sich oft erst mit Verzögerung. Stresssignale lassen aufhorchen: Partners Group musste Rücknahmen bei grossen Evergreen-Fonds begrenzen, nachdem Rückgabewünsche die vertraglichen Quartalslimiten überschritten hatten. Der deutliche Kurseinbruch der Partners-Group-Aktie zeigte, dass Investoren nicht nur Fondsliquidität, sondern auch Bewertungsmodelle, Wachstumsaussichten und Produktstrukturen neu beurteilen. Ähnliche Rückgabebeschränkungen wurden auch bei grossen Private-Credit-Vehikeln dokumentiert. Die öffentlich bekannten Fälle mit erhöhtem Rückgabedruck oder Rücknahmebeschränkungen betreffen inzwischen ein Fondsvolumen von mindestens 200 Mrd. USD. Das ist keine Verlustzahl und kein Beweis für eine unmittelbare systemische Krise, aber ein systemisches Warnsignal.
Damit sehen wir uns in unserer seit einigen Jahren geäusserten Zurückhaltung gegenüber vielen Private-Market-Anlagen bestätigt.
Für Privatkunden bleiben geringe Liquidität, intransparente Bewertungen, hohe Kosten, er-schwerter Zugang zu den attraktivsten Transaktionen zentrale Nachteile. Was in der Erwartung fallender USD-Zinsen als sichere Renditeperle erschien, wird in einem Umfeld höherer Zinserwartungen stärker auf Liquidität, Transparenz und tatsächliche Risikoprämien geprüft.
Nachdem am Freitag der US-Technologie Index Nasdaq rund 4% eingebrochen ist, eröffnen die europäischen Börsen heute negativ. Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) verliert derzeit rund 0,7%. Der deutsche Aktienindex (DAX) liegt rund 1% im Minus. Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Terminbörsen derzeit eine leicht positive Handelseröffnung (Stand ca. 9:30 Uhr, 08. Juni 2026, Basel Zeit).